Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315840
550 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
in die Hauptaxen des Baues zu gewinnen.  Denn der Halle H 
mit ihren drei Portalen, neben welcher sich ein Glockenthurni 
erhebt, entspricht die ähnlich ausgebildete Halle P, welche die 
Verbindung mit dem grossen nordöstlichen Hofe herstellt. Zwi- 
schen beiden liegt aber das Vestibül Q, das in seiner polygonen 
Form die Gestalt des Brunnenhofes im Kleinen Wiederholt und 
den Aufgang zu einer der Haupttreppen des Baues gewährt. An 
der entgegengesetzten Seite des Brunnenhofes ist eben so origi- 
nell ein dreiseitiges Vestibül ausgebildet, das zu den dort an- 
stossenden Räumen führt. 
Nicht minder geistvoll ist sodann die Anlage des Antiqua- 
riums M bewirkt, Welches den Brunnenhof in seiner ganzen Länge 
einfasst und am südöstlichen Ende in einen achteckigen Kuppel- 
saal ausläuft, der mit grossem Geschick wieder in die anstossen- 
den Räumlichkeiten eingefügt ist. Am nordwestlichen Ende springt 
die Ecke des Antiquariums in den dort angelegten Grottenhof l 
vor. Der Architekt hat dies Motiv benutzt und zu einem poly- 
gonen regelmässigen Vorsprung ausgebildet, in der Mitte eine 
Brunnennische angebracht und so den schönen Abschluss jenes 
lauschig poetischen Grottenhofs geschaffen, der jedem Besucher 
der Residenz in frischer Erinnerung steht. Dieser köstliche kleine 
Hof sowie die benachbarte Kapelle K gehören gleichsam zu den 
mehr privaten Theilen der Anlage und sind durch kleine Seiten- 
pforten zugänglich. Ich will nur noch hinzufügen, dass im Erd- 
geschoss wie im oberen Stockwerk lange gewölbte Corridore von 
prachtvoller Ausstattung sich an den Haupträumen hinziehen. 
Soviel wird schon aus dieser Betrachtung erhellen, dass die letz- 
ten Reminiscenzen des Mittelalters hier verklungen sind, dass 
Wendeltreppen, Erker, Thürme und andere Vorsprünge zu Gun- 
sten der Principien des modernen Palastbaues beseitigt wurden, 
diese aber sich mehr in der Mannigfaltigkeit und Schönheit der 
innern Raumgestaltung als in der malerischen Gruppirung des 
Aeusseren geltend machte. 
Die künstlerische Ausstattung des ungeheuren Ganzen be- 
schränkte sich ursprünglich auch im Aeussern nicht blos auf die 
beiden Prachtportale und die Nische mit dem Madonnenbilde an 
der Fagade, sondern fand ihre Ergänzung in einem System grau 
in grau ausgeführter Fresken. Das fast vollständige Verschwin- 
den dieser aus blossen Malereien bestehenden Dekoration sowohl 
der Aussenfacaden als auch der Höfe liess bisher das Ganze in 
seinem traurig verwahrlosten Zustande weder erkennen noch wür- 
digen. Sucht man sich, auf die Darstellungen alter Stiche ge- 
stützt, aus den halb erloschenen Spuren die tirsprüngliche grau
        

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