Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310716
40 
III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
A. Allgemeiner 
Theil. 
aber noch nicht ganz vollendet, wie denn auch sonst noch fort- 
gebaut wird. Vom Dome wird berichtet, 1) es sei „die kostenlichste 
Kirche, von Marbelstein-Bildwerk durchgraben und ganz damit 
aufgebaut." Und weiter heisst es: „in der Stadt ist das aller-kost- 
lichste Schloss von Gebäuen unter der Erden, das ich mein, dass 
in der Christenheit sei."  "Wir sahen auch ein köstlich Haus, 
hatten des Kosmann de Medici Kaufleut inneß?) Ofenbar ist 
von dem Palaste, welchen der Mediceer durch Michelozzo erbauen 
liess, die Rede. In S. Ambrogio fällt ihnen ein „heidnisches Götter- 
bild" auf. In Venedig endlich bewundern sie nicht blos die herr- 
liche Markuskirche mit ihren Kostbarkeiten und den goldnen 
Bossen über dem Portal, deren Zahl etwas ungenau auf drei an- 
gegeben wird,3) sondern ergehen sich mit Vorliebe in der Schil- 
derungeines Palastes, welchen ein Kaufmann aus Alexandria dem 
Herzog von Mailand abgekauft habe!) Der Preis des erst ange- 
fangenen Gebäudes sei 74000 Goldstücke gewesen. Der Kaufmann 
habe ihn dann ausbauen und so prächtig schmücken lassen, dass 
man nirgends ein schöneres Gebäude finden könne. Der Portikus 
sei ganz aus weissem Alabaster errichtet, im Schlafzimmer des Haus- 
herrn seien die Fussböden aus demselben Material, die Teppiche 
in Silber gewirkt, die Decke reich vergoldet. Das Bett habe zwei 
mit Perlen gestickte Kissen und ein ebenfalls mit Perlen und 
Edelsteinen geschmücktes Kopfkissen; der Betthimmel sei so 
prachtvoll gewebt, dass er 24000 Dukaten koste. Das Atrium 
in welchem eine Heizvorrichtung, habe allein 13000 Dukaten ge- 
kostet. Der Hausherr, welcher mit seiner schönen Frau von einer 
Spazierfahrt heimkommend die Fremden antrifft, lässt sie aufs 
artigste mit Wein und Oonfekt in silbernen Schüsseln und goldnem 
Becher bewirthen.  
Im 16. Jahrhundert steigert sich dies Interesse zusehends, 
und wir haben schon in der Zimmerischen Chronik zahlreiche 
Spuren lebendigen Eingehens nicht blos auf fremde Kunstwerke 
"sondern auch auf Vaterländische Denkmäler wahrgenommen. Auch 
beim Grafen Waldeck, der uns über die Patricierhäuser Augsburgs 
berichtet hat, finden wir manche Spur regen Antheils an den Werd 
ken der Kunst. Von einem Watfenschmiede des Kaisers, Johann 
Colmann, weiss er uns zu berichten?) bei dem Goldschmied Otto 
von Köln betrachtet er dessen Diamantschleiferei so wie einen 
kostbaren vergoldeten Harnisch; bei einem geschickten Ciseleur 
und Erzgiesser macht er einen Besuch und meint, dass derselbe 
1) Leo 
fg"  
124 
von Roznxital, p. 
4) Ebenda, p. 129, 
 i) Ebenda, p. 
Tagebuch, p. 49- 
193. 
Ebenda,
        

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