Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315736
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
endete er 1589 und erhielt dafür eine Belohnung von 50 Gulden, 
was aber nicht hinderte, dass er wegen Einsturz des Thurmes 
acht Tage bei Wasser und Brod in den Falkenthurm musste. 
Neben ihm wird Friedrich Suslris genannt, der nach dem Ein- 
sturz des Thurmes das Schiff verlängerte, den Chor erhöhte und 
ausbaute. Sodann Wilhelm Eggl, 1585 entlassen, Wende! Dietrich 
von Augsburg, der in demselben Jahre vorkommt, und der Ita- 
liener Antonio Valiento. Bei der Ausschmückung des Baues wer- 
den unter andern der berühmte Bildgiesser Hubert Gerhard, Peter 
Candid, Hans Weinlzer der Maler und der Bildhauer Hans Krumper 
genannt. 
Das Innere (Fig. 140) ist von ausserordentlicher Schönheit 
und Grossartigkeit der Verhältnisse, dabei von einer maassvollen 
Einfachheit der Dekoration, welche die Raumschönheit noch er- 
höht, so dass kein gleichzeitiger Bau in Italien sich damit mes- 
sen kann. Es ist ein einschiffiges Lang-haus, mit einem kolossa- 
len Tonnengewvölbe überdeckt, von Seitenkapellen begleitet, welche 
zwischen die Pfeiler eingebaut sind und über sich Emporen haben. 
Ein Querschid in der Höhe und Tiefe der letztern legt sich vor 
den Chor. Dieser wieder verengt sich gegen die Kirche, ist um 
mehrere Stufen erhöht und schliesst mit einer Absis. Mit grosser 
Meisterschaft ist die Beleuchtung so vertheilt, dass das haupt- 
sächlich aus den Emporen und dem Querschiif einfallende Licht 
reiche Abwechslung ergiebt. Was aber dem Innern vor allen 
andern gleichzeitigen Kirchenbauten Italiens und der übrigen Welt 
einen hohen künstlerischen Vorzug verschaüt, ist die ungewöhn- 
liche Feinheit der Dekoration. Statt des beliebten Fortissimds, 
in welchem die damalige Architektur mit den stärksten Mitteln, 
den schärfsten Contrasten, den überladensten Formen ihre Blech- 
musik zusammensetzt, sind hier selbst tiir die Hauptg-lieder nur 
die bescheidensten Ausdrucksmittel gewählt, gedoppelte Pilaster 
zwischen den Kapellen und den Emporen, die Flächen mit Statuen- 
nischen angemessen belebt, die Gesimse bescheiden profilirt, die 
ganze Dekoration in Weissem Stuck bei sparsamer Anwendung 
von Gold. Vor Allem aber hat das" gewaltige Tonnengewölbe 
eine unvergleichliche Leichtigkeit freien Schwebens, denn statt 
der schweren Kasetten, die man den Gewölben damals zu geben 
liebte, ist es durch leichtes Rahmenwerk in verschiedene grössere 
und kleinere Felder getheilt und durch die von den Pilastern 
aufsteigenden Gurten rhythmisch gegliedert. Die Mitte der grös- 
seren Felder wird durch schöne Rosetten bezeichnet, dazu kom- 
men an passenden Stellen zarte Fruchtschnüre, endlich in dem 
ganzen Raume eine iigürliehe Dekoration, die in allen Abstufun-
        

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