Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315709
Kap- 
Baiern. 
Trausnitz. 
539 
zimmer, dessen Decke auf zwei Holzsäulen ruht. Zwar sind die 
grossen geschichtlichen Bilder an den Wänden, abgesehen von 
ihrer starken Zerstörung, nicht grade vorzüglich; aber die Wand- 
streifen enthalten auf weissem Grunde geistreich ausgeführte Or- 
namente, und noch glänzender sind die einfassenden Glieder der 
Decke, welche zwischen den neun grossen Bildern abwechselnd 
auf leuchtend rothem und weissem Grunde köstliche Ornamente 
zeigen. Da aber die Malerei sich unaufhaltsam vom Fussboden 
bis zur Decke und selbst über die letztere hin erstreckt, so fehlt 
jene planvolle Abstufung und Gliederung, welche in sämmtlichen 
antiken Wsnddekorationen, namentlich den pompejanischen, das 
Ganze bei allem Reichthum so maassvoll und ruhig erscheinen 
lässt. Im Einzelnen wird man indess auch auf der Trausnitz 
vieles Anziehcnde, ja Vortreffliche finden. Wie übrigens die 
italienischen Anschauungen eingewirkt haben, erkennt man an 
manchen Stellen, so besonders in jenem Zimmer, an dessen Decke 
man die vier Jahreszeiten in gut ausgeführten grossen Bildern 
sieht. Die obere Einfassung besteht hier aus einem kleinen 
Fries, winzige Figürehen auf weissem Grund enthaltend, Phan- 
tastisehes sowie allerlei Karnevalscenen und Maskenscherze in 
geistreiehster Leichtigkeit der Darstellung. Man sieht, es war die 
Zeit, da die vornehme Welt Europals nach Venedig und Rom 
pilgerte, um den Karneval in seiner ausgelassensten Blüthe mit 
zu machen. 
In ähnlicher Weise bietet die sogenannte Narrentreppe in 
ihren meisterhaft ausgeführten, leider unbarmherzig beschädigten 
Fresken die weltbekannten Seenen der italienischen Komödie in 
fast lebensgrossen Gestalten voll Laune und Uebermuth. Diese 
1315191397 die vom Erdgeschoss bis in's oberste Stockwerk hinauf 
fühTt und Voll unten bis oben mit Fresken bedeckt ist, gehört zu 
einem besonderen Theile der Burg, der als italienischer Anbau 
bezeichnet wird. (L K in unsrem Grundriss.) Derselbe enthält 
nur wenige kleine Zimmer, deren künstlerische Behandlung sich 
völlig von der in den übrigen Räumlichkeiten herrschenden unter- 
scheidet. Hier ist nämlich die Malerei ausgeschlossen, mit Aus- 
nahme der eben erwähnten Treppe, alles dagegen in plastischer 
Gliederung mit wenigen Farbentönen auf weissem Grunde durch- 
geführt. Damit hängt zusammen, dass die Räume sämmtlieh mit 
Gewölben von mannigfaltiger Form und Eintheilung versehen 
Silld- In einem Vorzimmer mit einfachem Tonnengewölbe be- 
schränkt sich die Farbe in den Gliederungen auf ein kräftiges 
Blau; das mit Weiss wechselt. In dem Hauptgemach, einem 
Kabmet von rechtwinkliger Form, das Spiegelgewölbe mit Stich-
        

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