Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315590
528 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Saales liest man die Künstlermonogrammc PVS, darunter das 
F (wohl nfecit"); sodann LH. 
Bezweckt die Decoration dieses Saales eine Verherrlichung 
des klassischen Alterthums, so klingt der hier angeschlagene 
Grundakkord in der Ausstattung der übrigen Räume nach. S0 
sieht man ein kleines quadratisches Badezimmer, dessen Gewölb- 
malerei der Aphrodite und den ihr verwandten Gestalten gewidmet 
ist; in den Lünetten sind kleine antike Scenen auf landschaft- 
lichem Grunde gemalt, in den Stichkappen schwebende Liebes- 
götter, mit Benutzung der raffaelischen Fresken in der Farnesina, 
Alles im heitersten Stile; die Wände endlich mit prächtigen 
Blumenteppichen bedeckt. Die Gemälde zeugen hier von etwas 
geringerer Hand, alle aber tragen gleich denen des Saales das 
Gepräge der Nachfolger RaffaePs. 
Dieser reichen Ausstattung, die sich durch eineReihe grösserer 
Zimmer fortsetzt, entspricht alles Uebrige. Die Kamine der Zimmer 
und die Thürgeivände sind aus rothem Marmor in klassischen 
Formen gebildet. Auffallend ist die Kleinheit sämmtlicher Thüren, 
auch derjenigen des Saales. Von grösster Schönheit sind die 
Thüriiügel selbst, sämmtlich mit Intarsien geschmückt, deren 
Ranken zum Geistreichsten und Feinsten dieser Gattung gehören. 
Sie gehen aber aus Mangel an Pflege zu Grunde, weil man nicht 
einmal so viel darauf gewandt hat, sie bisweilen mit Oel einzu- 
reiben. 
Etwas abweichenden Charakter zeigt die Decoration der 
oberen Halle, welche im linken Flügel den Zugang zur Kapelle 
und die Verbindung zwischen Vorder- und Hinterhaus vermittelt. 
Ihre gemalte Decoration entspricht zwar dem Uebrigen, aber die 
ebenfalls gemalten Fürstenbilder an den Wänden, wie das Ganze 
ilott und keck hingesetzt, zeugen von der Hand eines in der 
venetianischen Schule gebildeten Künstlers. Das Datum ist hier 
1536, während man im grossen Saal 1542 liest. Wir wissen, 
dass Hans Boxberger aus Salzburg von 1542-55 in der Residenz 
gearbeitet, namentlich den Gang sammt der Kapelle, ferner zwei 
Säle, die Kanzlei und den Thurm ausgemalt hat. Den Hauptsaal 
dagegen malten zwei Künstler aus Mantua, darunter jener oben 
erwähnte Antonelli. Auch Ludwig Bospinger aus München wird 
unter den Malern genannt.  
Abweichend von allen diesen Arbeiten ist endlich der im 
zweiten Geschoss des Vorderhauses liegende geräumige Saal, 
denn er ist niedrig nach nordischer Weiseund mit einer Holz- 
decke versehen, die für sich allein ein Kunstwerk ersten Ranges 
bildet. Abwechselnd auf grösseren und kleineren Consolen ruhend,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.