Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315554
524 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Gemalde mythologischen Inhalts geschmückt, die Halbkuppeln 
der Nischen in Rautenform getheilt, in den Feldern feine Relief- 
figürchen antiker Götter, thonfarbig hell auf braunem Grunde, 
das Ganze von heiterster Wirkung. Die Oberwände der Hof- 
facaden sind durch schlanke korinthische Pilaster von grossem 
Maassstabe eingetheilt, Welche das IIauptg-cschoss mit seinen 
hohen Fenstern und ein kleines Halbgeschoss darüber zusammen- 
fassen. (Vgl. den Durchschnitt Fig. 133.) Die Fenster haben die 
streng klassische Bildung der italienischen Hochrenaissance mit 
abwechselnd geraden und gebogenen Giebelnf Das Ganze zeugt 
unverkennbar von der Hand eines italienischen Architekten der 
schon etwas strengen, ja trocknen Richtung, welcher die Palladio, 
Vignola und Serlio angehören. Der Contrast mit dem Vorderhaus 
könnte nicht grösser sein. Wirklich wurden Während des Baues 
neue Meister, Sigmund Walch und Antonellz", zur Fortführung des 
Angefangenen herbeigezogen, und diese beriefen noch andere 
Meister aus Mantua, aus der Schule des Giulio Romano: Barm- 
Zonzmeo. Francesco und Benedello mit 27 Maurern, Während bereits 
die Steinmetzen jVicola Beora, Bernardin, Caesar, Samarina, Victor 
und Zemin, sammtlich aus Italien, verwendet waren. Es ist also 
eine ganze Colonie von Italienern, von Welchen hier die Renais- 
sance ausgeht. In welchem Verhaltnissdie Fremden zu den 
Einheimischen standen, erkennt man daraus, dass der deutsche 
Steinmetz wöchentlich einen, der Italiener monatlich 10 Gulden 
erhielt. Trotz der Niedrigkeit der Löhne kam der Bau doch auf 
52,635 ü. zu stehen. 1)  
Das ganze Innere des Baues, der völlig im Charakter ita- 
lienischer Stadtpaläste durchgeführt ist, zeigt dieselbe Behandlung, 
und zwar die Hand durchweg; sehr tüchtiger Künstler. In der 
Hauptaxe liegt eine Durchfahrt E, welche auf eine der Haupt- 
strasse parallel laufende Gasse führt. Sie ist mit einem Tonnen- 
gewölbe bedeckt, welches durch aehteckige Kassetten gegliedert 
wird. Das Erdgeschoss hat eine Anzahl ansehnlicher Zimmer, 
sämmtlich gewölbt und mit Malerei und Stuckatur verziert. Aber 
weit grösser ist die Pracht und der künstlerische Aufwand in den 
Räumen des oberen Ha-uptgeschosses. Man gelangt dahin ent- 
weder über die beiden Treppen des Vordcrhauses oder auf einer 
breiten in Backstein mit sehr niedrigen Stufen aufgemauerten 
Treppe, welche aus der hinteren Halle rechts emporführt. Ich 
kann nicht in alle Einzelnheiten eingehen; nur soviel sei bemerkt, 
dass es sich hier um eine Schöpfung handelt, die, Wenn sie jen- 
1) Geschichte Landshuts von Mehreren. 
Landshut 1835. 
156 
Note.
        

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