Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315532
522 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
schnitzt und 
Schalldeckel. 
vergoldet, 
mit 
hohem 
phantasievoll 
componirtem 
Landshut. 
Die Stadt Landshut hat schon früh durch die Residenz der 
bairischen Herzoge eine gewisse Bedeutung gewonnen. Bereits 
im 13. Jahrhundert wird die Trausnitz auf dem steil die Stadt 
überragenden Hügel zu einer mächtigen Burganlage ausgebildet, 
von deren künstlerischer Entwicklung später die Rede sein wird. 
Unten in der Stadt erbauten sich aber zur Zeit der aufblühenden 
Renaissance seit 1536 die Herzoge Wilhelm IV, Ludwig; und Ernst 
eine prachtvolle Residenz, welche schon 1543 vollendet war. 
Es ist eins der merkwürdigsten, frühesten und vollkommensten 
Monumente der Renaissance in Deutschland, von deutschen Mei- 
stern in einem noch schwankenden Stil begonnen, dann aber von 
herbeigerufenen Italienern im ausgebildeten Stil ihrer Heimath 
vollendet. Wenn man in der Hauptstrasse der malerischen alten 
Stadt an der nüchternen aus späterer Zeit herrührenden Facade 
vorbeigeht, kann man nicht ahnen, welche Pracht dahinter sich 
birgt. Aber ein alter Stich 1) zeigt uns die ursprüngliche Be- 
schatfenheit der Facade. Es war über einem hohen mit kleinen 
Fenstern und drei Portalen durchbrochenen Erdgeschoss ein drei- 
stöckiger Bau, in der Mitte noch durch einen höheren Aufbau 
thurmartig überragt. Die Fenster mit ihren verschiedenen Be- 
krönungen, der reiche Fries des Kranzgesimses, die Rahmen- 
pilaster an den Ecken, endlich die seltsamen mehrfach gegürteten 
Rundsäulen und der Flachbogen des Hauptportals geben den Ein- 
druck einer spielenden Frührenaissance. Tritt man durch das 
jetzige Portal ein, so befindet man sich in einem Vestibül (A in 
Fig. 132),2) aus welchem zu beiden Seiten ziemlich steil auf- 
steigende schmale Treppen in's obere Geschoss führen. Das 
Vestibül erweitert sich dann zu einer stattlichen Halle B, deren 
Kreuzgewölbe auf rothen Marmorsaulen ruhen. Dieser ganze 
Vorderbau muss das Werk eines deutschen Meisters sein, der 
hier seine ziemlich unklaren Vorstellungen von Renaissance ver- 
werthet hat. In der That erfahren wirß) dass diese Theile von 
den Meistern Niklas Ueberreiler und Bernhard Zrvitzel, einem 
2 f) In_ Mich. Wening historico-topogr. descript. etc. MDCCXXIII.  
) Die Abbildungen verdanke ich gütiger Mittheilung des Herrn Hof-Bau- 
rath Rledel in München.  3) Sighart, Bayr. Kunstgesch. S. 682.
        

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