Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310688
Kap 
deutschen Geistes. 
Die Renaissance des 
37 
Aber interessanter als alles dieses sind die Spuren eines 
lebhaft erwachten Sinnes für die Denkmäler der deutschen Vor- 
zeit. Nirgends vielleicht finden wir bei uns so früh literarische 
Zeugnisse einer solchen Gesinnung. Namentlich bewundert Graf 
Frohen Christoph die Denkmäler von Trier-J) "dergleichen in 
Rom oder sonst in unsern Landen nit zu finden." Auch in Lüttich 
wird der Palast, welchen der Bischof von der Mark „ganz kaiser- 
lichen erbauet hat" betrachtet. 2) In der Lambertus Kirche daselbst 
habe er mehr Kleinode und Schätze gefunden als er in St. Peter 
Zu Rom gesehen. Das Amphitheater in Bourges wird dem Colos- 
seum an Grösse fast gleich gestelltß) In der Kirche zu AlpirS- 
bach 4) bewundert der Chronist „die grossen und hohen aus einem 
Stück erbauten Säulen." Am bemerkenswerthesten ist die Stelle, 
Wo des Grafen Wilhelm Werner Besuch bei den Alterthümern und 
mächtigen Gebäuden in Sponheim und Trier-ß) geschildert wird. 
Keine Stadt in Europa, meint der Chronist, könne sich Alters 
halber und wegen edelster Gebäude und Reliquien mit Trier ver- 
gleichen und, setzt er hinzu, „ist schimpflich zu hören, dass wir 
Deutsche die fremden Gebäu und Statt loben, auch ob ihrem 
Alter und Singularitäten uns verwundern, und wissen von den 
unsern, die gleichwohl die andern übertreffen, nichts zu sagen, 
haben die nie gesehen, achten auch deren nit." 
Solch offner Blick, der freilich in diesem Falle in patrio- 
tischer Wärme fast zu weit geht, ist nur das Resultat einer freieren, 
durch Kenntniss fremder Länder gewonnenen Anschauung. Es lohnt 
der Mühe, an einigen Beispielenvnachzuweisen wie die Reiselust, 
die wir in bürgerlichen Kreisen Deutschlands so stark und früh 
entwickelt fanden, etwa seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in 
den höhern Ständen sich gestaltet hat. Beginnen wir mit den 
Fahrten des schwäbischen Ritters Georg von Ehingen um 1455, 
So finden wir noch ganz ausschliesslich die Interessen eines fahren- 
den Ritters aus dem Mittelalter vertreten. Alles dreht Sißll 11m 
Hofleben, Ritterthaten, Turnier und Kampf. Nur einmal bei dem 
Stadt Ceuta in Spanien finden wir eine flüchtige Notiz von künst- 
lerischem Interesse. Der Dom daselbst sei ein schöner grosser 
heidnischer Tempel gewgsgnß) 
Ganz andern Eindruck macht schon die Reise des böhmischen 
Ritters Leo von Rozmital, der in den Jahren 1465 bis 1476 die 
Abendlande durchzog, und über dessen Erlebnisse uns zwei Be- 
1) Zimm. Chrom. IV. 66, 
228.  4) Ebenda, I. 100.  
Reisen. Bibl. d. lit. Ver. Bd. 
386.  3) Ebenda, 111. 
G) Georg von Ehingen,
        

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