Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315442
Franken. 
Plassenburg. 
513 
sich phantastische Seepferde winden. Auf beiden Seiten sieht 
man die Gestalt eines Kriegers das Schwert zücken, zwischen 
grossen Vasen mit Blumen und Delphinen. Eine wunderliche 
etwas unverstandene Composition, in der Ausführung dazu nicht 
eben fein, sondern von handwerklicher Derbheit, aber die Er- 
findung des Rankenornaments durchweg gut. 
Von hier gelangt man durch eine tiefe gewölbte Einfahrt 
ins Innere des Hofes, wo ein ähnliches Portal den Eingang be- 
zeichnet. In den vier Ecken des Hofes erheben sich quadratische 
Treppenthürme, welche die Wendelstiegen enthalten. Das Erd- 
geschoss ist mit Ausnahme der Portale ohne alle künstlerische" 
Charakteristik. Nur der westlichen Eingangsseite gegenüber liegt 
in der Ostseite ein kleines Bogenpförtchen, in dessen Giebelfeld 
Gottvater, von geflügelten Engelsköpfchen umgeben. Es ist der 
Eingang zur Kapelle. Das Erdgeschoss des südlichen Flügels war 
ursprünglich durch neun grosse hohe Bögen durchbrochen, welche 
jetzt grösstentheils vermauert sind. Ueber dem Erdgeschoss sind 
im westlichen, südlichen und östlichen Flügel die beiden obern 
Stockwerke durch prächtige Bogenhallen auf Pfeilern 1) belebt. 
Im südlichen Flügel sind es vierzehn in der Reihe, in den beiden 
andern zwölf. Nur der nördliche Flügel zeigt eine abweichende 
Behandlung. Hier ist auf hohen Rundpfeilern von mittelalterlicher 
Form, die wahrscheinlich einer früheren Anlage gehören, ein Ar- 
kadengang angelegt, der ausser dem Erdgeschoss noch den ersten 
Stock umfasst. Der zweite Stock öffnet sich mit gruppiiten recht- 
winkligen Fenstern gegen den Hof. Hier war ehemals der grosse 
Rittersaal, der den ganzen nördlichen Flügel umfasste. Seinen 
Glanz empfängt dieser unvergleichlich grossartige Hof durch jene 
Arkaden der andern drei Flügel, die sich in schönen Verhält- 
nissen mit durchgebildeten Rundbögen auf Pfeilern öffnen. Alles 
ist hier mit schönem Ornament überfluthet, die Flächen der Pfeiler, 
der Bögen, der Zwickel, endlich die Brüstungen, an welchen un- 
zählige Medaillonköpfe, meist in Lorbeerkränzen, von Genien ge- 
halten, Alles ausserdem mit Ranken und Blattwerk im besten 
Stil der Renaissance durchzogen, ein wahrhaft überschwänglicher 
Reichthum, in der Erfindung vorzüglich, in der Ausführung jedoch 
etwas roh, namentlich in den figürlichen Theilen. Die Arkaden 
sind in beiden Geschossen mit schönen Sterngewölben bedeckt, 
deren Rippen die gothische Profilirung zeigen. Die Kapelle, ist 
VQII einfacher Anlage, aber mit reich icomplicirten gothischen 
Rlppengewölben ausgestattet. Ihre Fenster sind rundbogig ge- 
angiebt. 
 Nicht Säulen, wie Sighart 
Kng l er , Gesch. d. Baukunst. V.
        

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