Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315430
512 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
geschleift wurden. 1) Immerhin besteht noch der Kern der Burg 
mit den zu gigantischer Höhe emporgeführten Mauern. Man ge- 
langt zuerst in einen äussern Hof, in welchem ein origineller 
Kuppelbau das von Markgraf Christian errichtete Zeughaus ent- 
hält. Denn obwohl dieser Fürst seine Residenz damals nach 
Baireuth verlegte, so unterliess er doch nicht auf der Plassen- 
burg grossartige Befestigungsanlagen auszuführen. Das Portal 
des Zeughauses, an welchem man die Jahrzahl 1607 liest, ist 
ein gewaltiges Werk eines derben Barockstils, kriegerisch trotzig, 
im Bogenfelde ein herrliches Eisengitter, auf den Thürflügeln ein 
riesiger Löwe gemalt, der mit erhobenen Vorderpranken sich 
aufrichtet. Ueber dem Portal ein hoher Aufsatz, in dessen mitt- 
lerem Bogenfelde auf mächtig einhergaloppirendem Schlachtross 
der lilarkgraf im Hochrelief dargestellt ist, in voller Rüstung, den 
Feldherrnstab in der Hand. In zwei Seitennischen sind Statuen 
angebracht, der Oberbau über ihnen von Obelisken gekrönt, das 
Ganze in der Mitte durch eine Statue der Pallas abgeschlossen. 
Die Architektur barock und doch nüchtern, aber in einem derben 
Rustikastil mit gebänderten dorischen Säulen doch den Eindruck 
trotziger Kraft gewährend. 
Geht man nun an den hohen Aussenmauern des nördlichen 
Schlossfltigels weiter empor, so gelangt man zu dem Hauptportal 
des innern Baues, der sich mit vier Flügeln um den fast quadra- 
tischen Hof zusammenschliesst. Dieses Thor gehört zu den 
reichsten der ganzen Renaissance und gewährt schon eine An- 
deutung von der Ueppigkeit der plastischen Dekoration, durch 
welche dieser Bau sich vor allen Monumenten der deutschen 
Renaissance auszeichnet. Die Gliederung des Portals ist einfach; 
der Bogen wird nur von Pilastern eingefasst, aber alle äussern 
und innern Flächen an den Pfeilern, Bogen, Zwiekeln sind mit 
Laubornament bedeckt. Ein oberer Aufsatz in der Mitte, das von 
zierlichen Pilastern eingefasste Wappen enthaltend, wird von 
einem kleinen Giebel mit Musehelfüllung gekrönt, über welchem 
1) "Wieder war es der ominöse Conraditag, an welchem von Schmerz 
und Zorn übermannt die brave preussische Besatzung ihre Gewehre über 
den Berg hinabgeworfen, als sie 2000 Mann Bayern in das ruhmreiche Haus 
der Zollern ohne Schwerdtstreich einziehen sah. Die trotz der Spreng- 
minen der Bergleute fast unausführbare Schleifung der stolzen Riesen- 
bauten aus Christians Fortiiikationsepoche verlangte einen Baaraufwand 
von 13,500 fL, ein bald überflüssig gewordener Schnitt in das eigene Mark, 
denn durch den Tilsiter Frieden wurde zwar Stadt und Festung 1m Frank- 
reich abgetreten, aber schon im Jahre 1810 für immer der Krone Bayern 
zugebracht." Bavaria III, S. 558.
        

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