Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315365
leitend, die noch jetzt ihren Abschluss nicht gefunden hat. Die 
spärlichen Ueberreste derselben lassen ahnen, was hier zu Grunde 
gegangen ist. Vorhanden sind aber noch die beiden steinernen 
Eckpilaster, welche das Gitter aufzunehmen bestimmt waren. Mit 
Arabesken von geistreichcr Erfindung und feinster Ausführung 
bedeckt scheinen diese plastischen Arbeiten von denselben Meister- 
handen herzurühren, welche die Arbeiten im Saale des Hirsch- 
vogelhauses ausgeführt haben. Hier halten über einer kleinen 
Seitenthür zwei gemalte Genien die in den alten Rathhaussalen 
oft wiederholte Inschrift: "Eins Mannes Red ist eine halbe Red. 
Man sol die teyl Verhören bed." Das östliche Ende des Saales 
ist als Richtersitz um mehrere Stufen erhöht. In der kleinen 
mittleren Nische sieht man als Symbol der richterlichen Gewalt 
einen aufrecht stehenden Löwen mit Scepter und Schwert. In 
der Ecke steht ein gut geschnitzter Sessel, an der Schlusswand 
sind die beiden gothisehen Reliefs angebracht, welche besonders 
auf die frühe Handelsverbindung mit Flandern ein interessantes 
Licht Werfen. Dabei die Inschrift: „Salus populi suprema lex 
csto."  
Von den übrigen städtischen Bauten ist zunächst die Fleis cl1- 
brücke zu nennen, 1596-1598 durch die Baumeister Peter Ungar 
und W J. Slromer in einem einzigen Bogen von kühner Sprengung 
nach dem Vorbilde der Rialtobrücke errichtet. 1) In der Mitte 
auf beiden Seiten ausgebaute Altane mit Flachreliefs, an der 
einen Seite bei der Fleischhalle das kolossale Steinbild eines 
Ochsen mit einer lateinischen Inschrift des Inhalts: „Jedes Ding 
hat seinen Anfang und sein Wachsthum; aber schau, dieser Ochse 
war niemals ein Kalb."  Vor Allem aber die grossartigen Be- 
festigungswerke der Stadt, namentlich die vier imposanten run- 
den Thürme, von 1555 bis 1568 nach den Plänen von Georg 
Unger aufgeführt; In musterliafter Technik aus geschliffenen 
Quadern errichtet, nach oben leise verjüngt und durch wenige 
aber kraftvoll wirkende Gesimsbander abgeschlossen, machen sie 
fast den Eindruck, als wären sie aus Metall gegossen. Bei aller 
Kraft und Einfachheit sind sie überaus elegant und tragen wesent- 
lich zu dem malerischen Bilde der Stadt bei. 
Von Brunnen gehört hierher besonders der auf dem Lorenz- 
platz 1589 von Benedikt Wurzelbauer errichtete, reich im Aufbau, 
wenn auch im Figürlichen schon stark manierirt. Endlich sind 
am alten Zeughaus noch die runden Eckthürme von 1588 zu 
erwähnen. 
obän 
Ueber Stromcfs Studien vgl. 
222
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.