Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315358
504 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
durchgeführt: beim perspektivischen Längenblick trotz der Ein- 
fachheit durch die grandiosen Verhältnisse und die wirksamen 
Verkürzungen ein energischer Effect; auf feineren Reiz des Ein- 
zelnen ist mit gutem Bedacht verzichtet. 
Im Innern hat der Architekt vor Allem durch grossartige 
Verhältnisse zu wirken gesucht. Die Corridore, welche in den 
oberen Geschossen die Räume verbinden, zeigen reiche Stuck- 
decken mit vegetativen und figürlichen Ornamenten. Im zweiten 
Stock sieht man eine ausgedehnte Darstellung des Gesellen- 
stechens von 1446, von Hans Kern 1621 in Stuck ausgeführt. 
Dieser Gang ist an der innern Langseite abwechselnd durch 
Kamine und Portale zu einem Prachtstück architektonischer De- 
coration gestaltet. Im Sinne der Zeit hat man dabei Atlanten 
sowie liegende Figuren in Michelangeleskem Stil nicht gespart. 
Besonders schön ist hier ein kleiner Saal mit eingelegten Thüren 
und gcschnitzter Holzdecke, deren Rahmen für einzulassende 
Bilder bestimmt sind. 
An dem grossen Rathssaal haben sich verschiedene Epochen 
betheiligt. Seine Anlage stammt noch aus gothischer Zeit; ihr 
gehören die spitzbogigen Fenster und das grosse Hauptportal in 
der Mitte der inneren Langseite mit Maasswerken in der Krö- 
nung. Hübsch gemalte Engel halten einen Schild, auf welchem 
man liest: „Anno domini 1340 ist diss Rathauss anfiing-klieh ge- 
bawt vnd in 1521 wie auch hernacher im Jar 1613 diesergestalt 
wiederumben vernewert worden." Der Saal macht bei der ge- 
waltigen Länge von etwa 140 Fuss und 36 Fuss Breite einen 
höchst imposanten Eindruck. Seine Decke bildet ein hölzernes 
Tonnengewölbe mit trefflicher Gliederung. Eine schlichte Holz- 
täfelung bekleidet den unteren Theil der Wände. Dann folgt eine 
perspektivisch gemalte Bogenstellung, die mit ihren farbigen 
Fruchtgewinden auf dem hellen ätherblauen Grunde von grosser 
Wirkung ist: einer jener decorativen Gedanken der guten Re- 
naissancezeit. Ueber diesen Arkaden sind dann die grossen 
Wandgemälde angebracht, an deren Erfindung zum Theil selbst 
Albrecht Dürer mitwirkte: rechts sein Triumphwagen Kaiser 
Maximilians, in der Mitte eine Tribüne mit dem lebensvollen 
Bilde der spielenden Musikanten, links die bekannte alleg-orische 
Darstellung der Verleumdung, die den Richter (Midas) mit aller- 
lei Listen irre zu machen sucht. Das westliche Ende des Saales 
war ehemals durch das Bronzegittei- Peter Vischers abgeschlos- 
sen, welches die Nürnberger erst in unserm Jahrhundert ab- 
reissen und als altes Metall verkaufen liessen, damit die Reihe 
der Beraubungen und Zerstörungen ihrer alten Denkmäler ein-
        

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