Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310677
36 
III. 
Buch. 
Renaissance in 
Deutschland. 
Theil. 
Allgemeiner 
biblische Geschichten dargestellt sah. Dazu kamen die Gestalten 
mehrerer Tugenden, namentlich der Mässigkeit, die bei einem 
Mahle, das vom Morgen bis zum Abend währte, wohl kaum noch 
anders vertreten war. Unter Friedrichs IV glänzender Regierung 
steigerte sich diese verschwenderische Festlust zu noch prunk- 
vollerer Ueberladung. 1) Den Uebergang zu feinerer höfischer 
Sitte bildete dann Friedrich V, der durch seine Verbindung mit 
der englischen Prinzessin Elisabeth, Tochter Jacobs I, und seinen 
Aufenthalt am Hofe des Herzogs von Bouillon zu Sedan aus- 
ländische Bildung kennen gelernt hatte?) 
Allmälig erwacht denn auch in diesen Kreisen der Sinn für 
höhere Interessen, namentlich für künstlerische. Manches derart 
berichtet die Zimmerische Chronik. Wir lesen von einer schönen 
Elfenbeintafel, daran Geschichten aus der Tafelrunde "des gar 
alten Werks" gegraben sind. 3) Graf Gottfried Werner lässt sich 
in Nürnberg für St. Martin zu Möskirch ein messingen Grabmahl 
giessen mit Schild und Helm, auch grossen Messing-Leuchtern, 
obwohl man ihm gerathen habe es lieber aus Marmor arbeiten 
zu lassen. Die Nürnberger hätten darüber gespottet, obschon es 
doch ein ansehnliches Werk seiß) Derselbe Herr lässt sich in 
Nürnberg grosse elfenbeinerne Compasse machen, auch eine Glocke 
von dreihundert Zentnern daselbst für seine Kirche giessenß) Graf 
Werner lasst eine schöne Truhe machen von geschnitzter Arbeitö) 
"des alten Werkes, gar artlich, darin auch zwei Wappen." Von 
"schönen Antiquitäten" wird ferner erzählt, die im Schloss zu 
Zimbern verbrannt seien?) Graf Wilhelm Werner  man sieht, es 
ist ein kunstliebendes Geschlecht  zeigt dem Kaiser Ferdinand 
seine antiken Kunstschätze und erhält darauf von diesem Anti- 
quitäten, die König Max gesammelt, darunter auch Hirschgeweiheß) 
Von einem geschickten Stempelschneider Namens Gumprian, einem 
"wunderbaren künstlichen Gesellen," welchen Graf Johann Werner 
der Aeltere sich gehalten habe, weiss die Chronik manches zu 
erzählenß) Ebenso beklagt der Chronist, dass im Schmalkal- 
dischen Kriege durch die Spanier "die schönen künstlichen Ge- 
mälde des Meisters Laux Kronen" (Lucas Cranach) im Schloss 
zu Torgau zerstört worden] seien, weil sie die Vergleichung 
Christi und des Papstes enthielten. „Schad umb die grosse Kunst," 
setzt er hinzulo) 
L 
1) Vgl. Häusser, Geseh. der rhein. Pfalz. II. Ausg. lI. 81 ff.  2) Ebenda, 
II. 263 ff.  3) Zimm. Chron. II. 195.   Ebenda, IV. 252.  5) Ebenda, 
IV. 253.  G) Ebenda, III. 386.  1) Ebenda, I. 64.  ß) Ebenda, III. 428. 
IV. 64.  9) Ebenda, I. 491.  w) Ebenda, IV. 19.
        

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