Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315342
Kap. 
Franken. 
Nürnberg. 
503 
bogenportal mit durclischneidendem Rahmenwerk. ln dem Bogen- 
felde der Reichsadler mit zwei Wappen und der Jahr-zahl 1515. 
Man tritt von hier in eine Halle mit gothiseh profilirten Kreuz- 
gewölben, und von da führt eine Wendeltreppe aufwärts. Dieser 
Theil bildet die Rückseite des grossen malerischen Hofes, der 
gerade hier die zierlichen gothischen Formen zeigt, während der 
Vorderbau mit den mächtigen Bogenhallen des späteren Haupt- 
baues sich öffnet. Namentlich ist von malerischem Reiz die Ga- 
lerie mit reicher Maassiverkbrüstung, von mächtigen Steinbalken 
getragen, diese wieder auf Säulchen ruhend, welche keck und 
originell auf Kragsteinen aufsitzen. Die andern drei Seiten des 
Hofes sind in zwei Geschossen von mächtigen Rundbogenarkaden 
umzogen, dem Bau angehörend, welcher 1613 bis 1619 von 
Eucharius Karl Holzschuher aufgeführt wurde. Sie haben den 
Charakter streng italienischer Hochrenaissance, das Erdgeschoss 
geschlossen, mit einfach kraftvoll umrahmten viereckigen Fenstern 
versehen, die beiden oberen Geschosse mit grossen ursprünglich 
geöffneten Rundbögen, zwischen welchen eine ernste Pilaster- 
architektur die Wände gliedert. In der Mitte des Hofes ein zier- 
licher Springbrunnen von Pankraz Labenwolf 1556, aus dessen 
Schaale eine hohe Bronzesäule emporsteigt, welche ein nacktes 
Kinderiigürchen trägt. Das Erdgeschoss dieses Vorderhaues bil- 
det eine gewaltige Bogenhalle, auf Pfeilern mit Rahmenprofil, 
das auch an den Gurtbögen sich fortsetzt. In den nach der 
Strasse führenden Portalen herrliche Eisengitter. Die Treppe ist 
zwar breit angelegt mit geraden Läufen und Podesten, aber nicht 
reicher ausgebildet; nur die in Schmiedeeisen ausgeführte durch- 
brochene Gitterthür, welche den Aufgang abschliesst, trefflich 
behandelt. 
Die Hauptfacade (Fig. 130), nach Westen gelegen, macht 
schon durch ihre kolossale Länge einen gewaltigen Eindruck. 
Im Erdgeschoss derbe Fenster mit Rahmenproiil und drei im- 
posante schon stark barocke Portale; auf den Ecken energische 
Rustikaquadern; die beiden oberen Geschosse nur durch breite 
Gesimsbändei" getrennt, übrigens die ganze Länge der Facade in 
Fenster aufgelöst. Diese im Hauptgeschoss einfach umrahmt, im 
oberen Stock, mit Ueberschlagung je eines Fensters, in rhyth- 
mischer Wiederkehr mit geraden und gebogenen Giebeln gekrönt, 
Den Abschluss bildet ein mächtiges Kranzgesims mit derben Con- 
solen. Darüber steigen nach Nürnberger Sitte auf den Ecken 
und in der Mitte hohe Dacherker auf, mit thurmartigen Schweif. 
dächern. Die ganze Composition ist mit Rücksicht auf die Lage 
an schmaler steil aufsteigender Strasse gerade so ersonnen und
        

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