Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315307
Käly 
Franken. 
Nürnberg. 
499 
Das vollkommenste Beispiel ist wohl das Pellerhaus von 1605. 
Nicht blos ist die Fagade (vgl. Fig. 124) eine, der machtvollsten 
Renaissancefacaden Deutschlands, sondern auch das Innere ist 
ein Prachtstück ersten Ranges. Der grosse Flur hat weite flach- 
gedrückte Kreuzgewölbe, deren Rippen sieh in spätgothischer 
Form überschneiden. Der Hof bildet ein längliches Rechteck 
(Fig. 129), in drei Geschossen von mächtigen Bogenhallen auf 
Pfeilern umzogen, in der Mitte baut sich ein kleiner polygoner 
Erker heraus. Die Schmalseite dem Eingang gegenüber mit ihrer 
freien Altane, hinter Welcher eine zierliche Facade mit polygonem 
Erker aufsteigt, dient dem Ganzen als wirksamer Abschluss. 
Vorne links ist das achteckige reich decorirte Treppenhaus, in 
offener Anlage, breit und bequem, die Wendelstiege in der Mitte 
auf Säulen ruhend, die ganze Treppe an der Unterseite mit 
Reliefs ausgestattet. S0 fest wurzelt auch jetzt noch die Nürn- 
berger Kunst in den Traditionen des Mittelalters, dass selbst hier 
alle Balustraden gothisches Maaswerk zeigen, während sonst 
durchweg die Renaissance herrscht. Prachtvoll ist im zweiten 
Stock der grosse Saal mit reichem Täfelwerk, die Decke schön 
in Holz geschnitzt mit Gemälden in den einzelnen Feldern. Da- 
vor ein riesiger Flur mit phantastisch barocken Kaminen und 
Thüreinfassungen. 
Noch mehrere bedeutende Facaden dieses Stiles findet man 
in verschiedenen Theilen der Stadt. Eine der kolossalsten ist 
Karlstrasse 13, deren reichen Giebel wir auf Seite 183 mitgetheilt 
haben. Im vorliegenden Falle hat sich die elegante künstlerische 
Ausstattung auf das Giebelfeld beschränkt, während die unteren 
Theile der "Facade schmucklos geblieben sind. An N0. 3 der- 
selben Strasse sieht man über der Hausthür eins der pracht- 
vollsten Eisengitter der Zeit. Eine der grossartigsten Facaden 
ist sodann Adlerstrasse 25 vom Jahre 1606. Sie läuft nicht in 
einen Giebel aus, sondern zeigt die Seitenfläche des hohen Daches, 
welches mit hübschen Erkern ausgestattet ist. Erker in der Mitte 
und auf den Ecken reichen ausserdem durch alle Geschosse, so 
dass der Eindruck ein ebenso stattlicher als lebensvoller ist. Der 
Flur des Hauses hat Kreuzgewölbe auf derben Säulen, die zur 
Linken aufsteigende Treppe zeigt am Geländer gothisches Maass- 
werk, der Hof hat an der rechten Seite in drei Stockwerken 
Galerieen, deren gerades Gebälk auf dorischen und ionischen 
Säulen ruht. In N0. 9 derselben Strasse findet sich dagegen ein 
Hof mit hübscher Holzgalerie in zwei Geschossen auf ionisghgn 
Säulen. Die Brüstungen zeigen hier nicht das sonst beliebte 
gothische Maaswerk, sondern zierlich gearbeitete DOCken, Am 
32'
        

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