Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315250
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III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance in 
mit elegant durchgeführten Holzgalerieen, die den Charakter des 
Steinbaues imitiren. Eins der schönsten Beispiele bietet das 
Funldsche Haus, Tucherstrasse 21 (Fig. 128). Das Aeussere 
des Hauses gegen die Strasse ist einfach, aber durch prachtvolle 
Dacherker auf flott geschnitzten Consolcn, geschmückt mit Pi- 
lastern, Säulchen, kraftvollem Gesims und gothischem Maasswerk 
ausgezeichnet. Im Hofe, dem Eintretenden zur Rechten liegt der 
runde Treppenthurm mit steinerner Wendelstiege, von einem 
Maasswerkgeländer umzogen. Links dagegen erhebt sich auf 
Arkaden über achteckigen Pfeilern in drei Geschossen eine Holz- 
galerie, die nach den Hintergebäuden und einer zweiten dort 
angebrachten kleineren Wendeltreppe führt. Die elegante Aus- 
bildung dieser Galerieen mit ihren kannelirten Säulen, den ge- 
schnitzten Bögen, den Maasswerken der Brüstungen, endlich dem 
reichen Kranzgesims, das Alles noch gehoben durch den tief- 
braunen Ton des Holzes, ist von unübertroffener Schönheit. 
Ein ganz ähnlicher Hof, der dieselbe Hand verrath, findet 
sich in dem Haus Egidienplatz 13 links neben dem Pellerhaus. 
Das Erdgeschoss hat wieder einen grossen Flur, dessen Balken- 
decke auf Holzstützen ruht. Links führt die Treppe mit schön 
stilisirtem gothischem Maasswerkgelander empor. Daran vorn 
zwei Renaissancehermen. Der Hof hat an der einen Seite eine 
lange Holzgalerie in zwei Geschossen, nach unten schräg ab- 
gestützt. Die Saulchen mit ihrer Kannelirung und den eleganten 
korinthischen Kapitälen, die schön geschnitzten Bögen, die Brü- 
stungen mit Maasswerken, das Alles ist von gleicher Vollendung. 
Das Vorderhaus öffnet sich nach dem Hofe in drei Stockwerken 
mit offenen Bögen, die ebenfalls elegante Maasswerkgeländer 
haben. Nicht minder trefflich sind die Dacherker behandelt. 
Nach der Rückseite schliesst sich an den Hof ein kleiner Garten, 
zu welchem eine Treppe mit gothischer Balustrade hinaufführt, 
während aus dem ersten Stock man auf einer Holztreppe hinab- 
steigt.  
Nicht minder elegant ist ein Hof in der Tetzelgasse, an drei 
Seiten mit ähnlichen Holzgalerieen in zwei Geschossen umzogen. 
Am Geländer jedes Mal in der Mitte einer Abtheilung eine 
hübsche Rosette. Die etwas niedrigeren Stockwerke haben hier 
die Nachahmung von Bögen verboten, an deren Statt die Säulen 
durch gerades Gebälk verbunden sind. An der Rückseite des 
Hofes zur Rechten liegt die acbteckige Wendeltreppe. Auch hier 
steigt man in einen kleinen Garten hinauf. 
Der Steinbau hat endlich neben der so beliebten Holzarchi- 
tektur seine energische und grossartige Ausbildung gefunden.
        

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