Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315209
Franken. 
Nürnberg. 
489 
Thürbeschlägen, Gittern und andern Schöpfungen der Schlosser- 
und Sclnniedekunst, an plastisch decorirten in Thon gebrannten 
und glasirten Oefcn, an Arbeiten der Gold- und Silberschmiede, 
der Zinn- und Rothgiesser vorhanden ist, verbreitet über diese 
Nürnberger Bauten einen unvergleichlichen Glanz künstlerischen 
Behagens. 
Wenn ich nun an eine Betrachtung des Einzelnen gehe, so 
habe ich mich darauf zu beschränken, einige wichtige und cha- 
rakteristische Beispiele herauszuheben, denn die Fülle des noch 
Vorhandenen ist so gross, dass sich dem Forscher immer von 
Neuem Ausbeute darbieten wird. 1) Zu den frühesten Leistungen 
der Renaissance gehört hier das Tucherhaus, Hirschelgasse 9. 
An der Facade gegen die Strasse ist der hübsche Erker, welchen 
wir auf S. 185 gegeben haben. Den Abschluss bildet ein dem 
romanischen Stil entlehnter Rundbogenfries mit eleganten Laub- 
consolen. Der Hof mit dem Hauptgebäude in Quadern und den 
hölzernen Galerieen der Nebenbauten ist von malerischem Reiz 
(Fig. 126). Merkwürdig mischen sich an dem Haupthause 
gothische und sogar romanische Formen mit den ersten Keimen 
der Renaissance. Die Treppe liegt als Wendelstiege in einem 
runden etwas vorspringenden Thurme, neben welchem sich über 
dem Dach zwei kleinere herausgekragte Rundthürmchen originell 
genug entwickeln. Das Hauptportal öffnet sich nach aussen in 
einem grossen Rundbogen, der zur Hälfte geblendet ist und in 
der Mitte wunderlich durch eine Säule getheilt wird. Die Fenster 
mit ihren Kreuzpfosten und ihrer Umfassung sind gothisch, die 
Lisenen der Wände erinnern an romanischen Stil, haben aber an 
ihren Consolen und den Kapitälen gothisches Laubwerk; dagegen 
sind die kleinen Nischen, welche sich über ihnen entwickeln, mit 
den zierlichen Muscheln der Renaissance ausgestattet, während 
der abschliessende Bogenfries wieder als romanisches Element 
auftritt. Am ausgeprägtesten tritt der neue Stil jedoch in der 
Flächendecoration des Portals auf. Als Datum liest man am 
Thurm 1533. Im Innern zeigt ein Zimmer des ersten Stocks 
kräftiges Wandgetäfel mit graziösen Säulchen, die Schäfte oben 
kannelirt, an den unteren Theilen mit zierlichen Ornamenten. 
Die Decke aber folgt noch dem gothischen Prinzip der abge- 
fasten Balken. Im zweiten Stock ein grösserer Saal, auf drei 
Seiten mit Fenstern versehen, in welchen hübsche Glasgemälde 
grau in Grau die Thaten des Herkules und Aehnliches darstellen. 
Auch hier eine tüchtige Holzdecke und getäfelte Wände, sowie 
Ortwein. 
Seemamfs Deutscher Renaissance, von 
Aufnahmen in
        

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