Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315176
486 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
solche Universalität darin aufzuweisen; keine hat aber auch so 
früh Monumentalwerke der Renaissance von hervorragendem 
Werthe entstehen sehen. Michael Wohlgemuth (1434-1519) und 
Adam Krafft (bis 1507), ja selbst Veit Stoss (bis 1533) gehören 
noch der mittelalterlichen Kunst an, mit der sie wohl den nor- 
dischen Realismus, nicht aber die italienische Renaissance ver- 
schmelzen. Dürer ist es, der zuerst hier die antiken Formen an- 
wendet (vergl. S. 71 ff); dann aber bricht Peter Vischer durch 
sein herrliches Sebaldusgrab (seit 1508) dem neuen Stil Bahn, 
der hier einen glanzvollen Beweis seiner höheren Schönheit und 
freieren Anmuth liefert. In Gemälden wie inplastischen Werken, 
in Kupferstichen wie in Holzschnitten tritt derselbe nun hervor, 
und seit 1530 etwa können wir ihn auch in architektonischen 
Schöpfungen nachweisen. Es ist der Privatbau hochgebildeter 
Patrizier, der den Anfang macht. Die zahlreichen Handels- 
beziehungen zu Venedig haben offenbar auch hier den Impuls 
gegeben. Mit den Privatbauten ist daher zu beginnen. 
Wenn irgend eine Stadt in dieser Epoche einen ausgeprägten 
Charakter im Privatbau erreicht hat, so ist es Nürnberg. Man 
kann nicht sagen, dass sich diese Werke im Ganzen durch höchste 
Feinheit auszeichnen, dass sie jene plastische Pragnanz und geist- 
volle Lebendigkeit athmen, wie etwa der Ottoheinrichsbau von 
Heidelberg oder die besten Monumente in Schwaben und im 
unteren Franken. Schon das Material scheint eine feinere Durch- 
bildung verwehrt zu haben. Aber eine machtvolle Gediegenheit 
der Composition, eine energische Strenge der Behandlung sind 
den Nürnberger Werken eigen. Im Aufriss haben die Facaden 
der Bürgerhäuser die gemeinsame deutsche Tendenz eines impo- 
santen Hochbaues, und der kolossale Giebel bildet hier wie über- 
all den Stolz der Architektur. Auch ist die Anlage der reicheren 
Bürgerhäuser breiter als wir sie sonst zu finden gewohnt sind, 
so dass diese Facaden schon an Masse einen mächtigen Eindruck 
machen. Dazu kommt aber ihre reiche Belebung durch Erker 
von mannigfaltiger Anlage, ihre consequente Gliederung durch 
Systeme von Pilasterordnungen mit Gebälk und Gesimsen, die 
sich auch an den hohen Giebeln fortsetzen. "So entsteht rhyth- 
mische Durchbildung, verbunden mit malerischer"Mannigfaltigkeit. 
Eins der vollkommensten Beispiele solcher Facaden bietet Fig. 124 
im Pellerhause; einen Giebelhaben wir auf S. 183 abgebildet. 
Wo nun aber, was nicht selten vorkommt, die Häuser nicht 
ihren Giebel, sondern ihre Langseite gegen die Strasse kehren, 
da wird in einer gerade für Nürnberg höchst bezeichnenden Weise 
die Seitenilache des hohen Daches durch Vorgesetzte Erker be-
        

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