Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315162
Bedeutung aufsteigt, trägt Nürnberg reiche Spuren einer ununter- 
brochenen intensiven Kunstblüthe, die von der romanischen Epoche 
bis zum Ausgang des Mittelalters die Stadt mit charaktervollen 
Denkmalen bedeckt. Im Sinne des Mittelalters waren dies über- 
wiegend Werke kirchlicher Kunst, obwohl auch der Profanbau 
daneben nicht leer ausgegangen ist. Aber erst mit dem Anbruch 
der neuen Zeit gewinnt dieser, der modernen Kulturströmung 
folgend, auch hier seinen machtvollsten Ausdruck. Wenn man 
Nürnberg stets als Stadt des Mittelalters preisen hört, so bedarf 
dieser Ausdruck einer Beschränkung. Die Anlage der Stadt, der 
Zug der Strassen und der Plätze, die Mehrzahl der kirchlichen 
Denkmäler, das Alles gehört dem Mittelalter; aber die Form, in 
welcher sich die grossen städtischen Profanbauten, die öffentlichen 
wie die Privatwohnungen des Bürgerthums, ausgeprägt haben, 
gehört fast ausschliesslich der Renaissance. Allein der Stil tritt 
hier nicht vorherrschend in jener späten Entwicklung auf, welche 
wie in Augsburg den italienischen Typus zur Geltung bringt, 
sondern in einer völlig deutschen Umbildung, die sich in den 
Dispositionen des Grundrisses wie im hohen und schmalen Auf- 
bau der Facaden der Tradition des Mittelalters anschliesst. Daher 
hier der charaktervolle, durchaus individuelle Zug im gesammten 
Profanbau, der sich trotz der Verschiedenheit in den decorativen 
Formen dem Gepräge der kirchlichen Monumente so glücklich 
einfügt, dass Nürnberg noch jetzt im Wesentlichen einen unver- 
gleichlich harmonischen Eindruck gewährt. 
In die neue Zeit trat die schon lange mächtig und strebsam 
dastehende Stadt mit grosser Entschiedenheit ein und stellte sich 
mit an die Spitze der reformatorischen Bewegung. Schon zum 
Jahre 1523 bemerkt die Chronik: "gabe man dem Bapst und 
Bapstumb Urlaub, denn es wurden die alten Ceremonien abge- 
than." Der Rath beschloss die Annahme der Reformation, und 
selbst der grosse Nürnberger Staatsmann und Gelehrte, Willibald 
Pirkheimer, wandte sich der neuen Lehre zu, der er kleinmüthig 
später wieder absagte. Von den Unruhen des Bauemkrieges blieb 
Nürnberg verschont; während des schmalkaldischen Krieges wusste 
seine Krämerpolitik sich zwar die Neutralität zu sichern, aber 
eben diese Doppelzüngigkeit zog ihm den Krieg mit Albrecht 
Alcibiades auf den Hals (1552), in welchem es innerhalb Weniger 
Wochen einen Schaden von beinahe Zwei Millionen Gulden erlitt. 
Indess wurde die Blüthe der mächtigen Stadt auch dadurch kaum 
Vorübergehend geschädigt; ja die Vielseitigkeit ihrer künst- 
lerisehen und kunstgewverblichen Entwicklung kommt erst in dieser 
Epoche zur vollen Entfaltung. Keine deutsche Stadt hat eine
        

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