Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315152
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111. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
dessen Stuckdecoration indess unbemalt geblieben ist. Die Decke 
zeigt im mittleren ovalen Felde Christi Auferstehung, in den vier 
Ecken die Evangelisten, in den kleineren Feldern und an den 
Rahmen schöne Ornamente.  Noch reicher sind die Decoratiouen 
im Kistenfegefschen Hause. Aussen ist es bemerkenswerth durch 
einen hohen Giebel mit unschön geformten Voluten, wie deren 
in Rothenburg mehrere vorkommen. Der Flur hat wie das ganze 
Erdgeschoss treffliche Sterngewölbe, deren Rippen noch völlig 
die gothische Bchandlungsweise zeigen. Eine steinerne Wendel- 
treppe führt zu den oberen Geschossen. Im zweiten Stock findet 
sich ein Zimmer mit reicher Stuckdecke ohne Bemalung. Man 
sieht die Geburt Christi, wobei ein Engel auf der Laute spielt; 
dann die Auferstehung. Die Rahmen sind auch hier wieder mit 
Ranken und Vögeln belebt; auch die Fenster ganz mit Stuck- 
reliefs umfasst, welche sich ziemlich wild und barock gebehrden. 
Zwischen beiden Fenstern eine weibliche Figur als Karyatide, in 
geflochtene Schlangenschweife endend. Noch weiter greift diese 
Decorationsweise um sich, indem sie die Thür mit zwei grossen 
Gipsüguren von Kriegern als Atlanten einrahmt, der ältere mit 
ganz frei gearbeiteter Hellebarde, der jüngere mit einer Lanze 
in Händen, daneben noch phantastisch geschweifte weibliche Fi- 
guren, deren Körper sich in Laubwerk ganz verzettelt. Alle diese 
Dinge sind viel zu gross für den kleinen und niedrigen Raum, 
verrathen überhaupt schon sehr stark die Uebertreibungen des 
Barocco. "Aber in der ungemein leichten, kühnen und flotten Be- 
handlung spricht sich meisterliche Sicherheit aus. Auch ist das 
Ornamentale in den Arabesken, Blumenranken u. s. W. noch von 
hohem Werth. Dass auch sonst das Kunstgewerbe damals in 
Rothenburg blühte, beweisen namentlich die zahlreichen tüchtigen 
Eisenarbeiten, welche man in und an den Häusern antriift. 
Nürnberg. 
Das deutsche Florenz, die Mutter der Wissenschaften und 
Künste nennt Rivius die alte Reiehsstadt Nürnberg. Und in der 
That, kein anderes deutsches Gemeinwesen hat auch nur entfernt 
die Bedeutung für das gewerbliche und künstlerische Leben ge- 
habt wie diese früh schon durch politische Rührigkeit, durch 
Handel und Gewcrbiieiss blühende Stadt, die man die Krone der 
deutschen Städte nennen darf. Während Augsburg, in Handel 
und Reichthum mit ihr Wetteifernd, ja in mancher Hinsicht sie 
überbietend, erst in der Renaissance-Epoche zu künstlerischer
        

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