Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315143
Kap 
Franken. 
Rothenburg. 
483 
Balkendeeke auf mächtigen aehteckigen Holzpfeilern ruht. Die 
Treppe zeigt ein ebenfalls kräftig in Holz geschnitztes Geländer, 
der Hof links eine zierliche Galerie. Im ersten Stock ruht die 
Balkendecke des grossen Flur-s auf eleganter dorischer Stein- 
säule. Die Balkendecke im Flur des zweiten Stocks zeigt ein 
in mittelalterlicher Weise ausgckehltes Gebälk, die Thür mit 
eingelegten Ornamenten, zierlich mit ionischen Pilastern und 
dorischem Triglyphenfries eingefasst; im grossen Vorderzimmer 
eine schöne Holzdecke, trefflich eingethcilt und reich gegliedert. 
 Besonders werthvoll ist sodann das Haffnefsehe Haus in 
der Herrengasse durch seine innere Einrichtung. Der Hof in 
beiden oberen Geschossen auf drei Seiten mit Holzgalerieen um- 
geben, welche Wieder die Verbindung mit dem Hinterhause ver- 
mitteln. Sie ruhen auf hohen Säulen, die in wunderlicher Nach- 
ahmung des Steinbaues eine Rustikabehairdlung zeigen. Rechts 
in der Ecke die Wendeltreppe. Im oberen Geschoss ist der nach 
hinten liegende Saal (Fig. 123) ein Prachtstück von Decoration, 
das Täfelwerk der Wände durch elegante kanneliite ionische 
Säulen gegliedert, die Stylobate und Friese mit Ranken ge- 
schmückt; zwischen den Säulen Blendarkaden mit Nachahmung 
von Steinconstruction, die Bogenfelder mit herrlichen eingelegten 
Ornamenten. Viel geringer und roher ist die Decke behandelt, 
mit schlechten späten Gemälden ausgestattet. Der eiserne Ofen, 
an Welchem man die Geschichte des Lazarus sieht, tragt die 
Jahrzahl 1592. 
Gegen Ausgang der Epoche bricht sich auch hier der italie- 
nische Einiiuss Bahn und findet seinen Ausdruck namentlich in 
der pompösen Stuckdeccration der Decken. So in dem Haus 
hinter der Jakobskirehe, dessen stattlichen Erker, auf zwei Pfei- 
lern ruhend und durch alle Geschosse reichend, mit den facet- 
tirten Quadern, den Voluten und Ornamenten im Schlosserstil, 
endlich dem bunt geschweiften Giebel wir schon als Prachtstück 
der Steinarchitektur Rcthenburgs bezeichnet haben. Oben im 
zweiten Stock ein Saal mit Stuckreliefs an der Decke; in den 
Hauptfeldem vier Scenen aus der Geschichte des verlernen Sohnes 
im üppigsten Baroekstil, dabei noch ganz bemalt, die Gurtbänder 
mit Blumenranken und Vögeln, in den Zwickeln die Fabeln vom 
Fuchs und dem Storch, vom Strauss und der Schlange. Mit be- 
sonderer Vorliebe hat der Künstler das Lotterleben des verlernen 
Sohnes geschildert, der von sechs bajaderenartigen Nymphen 
umgaukelt wird. An der Thür, deren äussere Einfassung zierlich 
ornamentirte Pilaster bilden, liest man die Jahrzahl 1613. Im 
ersten Stock befindet sich ein ähnlich ausgestattetes Zimmer, 
311i
        

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