Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315101
Franken. 
Rothenburg. 
479 
anderer Reichsstädte zurück. Namentlich hat der Steinbau nur 
ausnahmsweise dabei Anwendung gefunden; nur das Geisel- 
brechfsche Haus, auch als „Haus des Baumeisters" bezeichnet, 
hat eine prachtvolle aber barocke Steinfaoade. Einen eleganten 
steinernen Erker sieht man an einem Haus hinter der Jakobs- 
kirche. Mit Vorliebe wird dagegen, wie in den meisten deutschen 
Städten der Zeit, noch dem Holzbau gehuldigt, der namentlich 
in den Galerieen der Höfe fast ausschliesslich herrscht. Einen- 
zierlichen polygonen Holzerker hat z. B. das Haus am Galgen- 
thor, welches ausserdem an seiner _Facade mit hübschen Holz- 
pilastern und geschnitzten Pflanzenornamenten bedeckt ist. Es 
tragt die Jahrzahl 1613. Den Hauptwerth besitzt aber der Privat- 
bau Rothenburgs nicht bloss in den zahlreichen malerischen 
Höfen, die eine wahre Fundgrube für den Maler bilden, sondern 
vorzüglich in der noch reichlich vorhandenen innern Ausstattung 
der Räume, die ein lebendiges Zeugniss von dem Wohlstand und 
der Kunstliebe jener Epoche ablegen. Bezeichnend ist, dass 
neben häufig angewandtem Holzgetafel mit geschnitzter und ein- 
gelegter Arbeit die Stuckdecoration, namentlich an den Decken, 
zu Ausgang der Epoche mit einer Ueppigkeit hervorbricht, wie 
sie kaum sonst noch in Deutschland in so übersehwänglicher 
Kraft angetroifen wird. 
Beginnen wir unsere Uebersicht mit dem Geiselbrechf- 
sehen Hause. Die Facade,1) unter allen Privatgebäuden der 
Stadt die opulenteste, ganz in Stein ausgeführt, kann sich in der 
Gesammtanlag-e mit gleichzeitigen anderer Städte nicht entfernt 
messen. Die beiden Hauptgeschosse mit ihren von barocken 
Hermen eingefassten Fenstern stehen nicht in durchgreifender 
architektonischer Verbindung; eben so wenig ist eine Beziehung 
zum Giebel angedeutet, der durch die geschweiften Delphine 
mit welchen die einzelnen Absätze bekrönt sind, zwar phan- 
tastisch wirksam decorirt ist, aber eine consequente künstlerische 
Gliederung vermissen lässt. Um so anziehender ist das Innere, 
welches bis auf die erneuerte hölzerne Treppe völlig intact er- 
scheint und in den Fenstern sogar die alten Butzenscheiben be- 
wahrt. Der Grundriss (Fig. 122) bietet das Muster einer da- 
maligen Hausanlage. Im Erdgeschoss mündet das grosse Portal 
auf einen sich nach der Tiefe verbreiternden Flur A. Gleich 
vorn ist die Fallthür der Kellertreppe, rechts an der Wand eine 
Sitzbank für Wartende. In BB schmale aber tiefe Zimmer, das 
dem Flur anstossende noch mit einem Alkoven verbunden, in C 
in 
SigharVs bayr. Kunstgesoh. 
691.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.