Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315065
Franken. 
Rothenburg. 
475 
eine kleinere Wendeltreppe. Ungefähr aus der Mitte des Vor- 
platzes gelangt man durch ein elegantes Portal zu einem schma- 
len Durchgang, der in den gewaltigen Saal H führt. Dieser bildet 
den älteren Theil der Anlage, der noch aus gothischer Zeit 
stammt und durch eine Wendeltreppe K seinen selbständigen 
Zugang hat.  
Die ursprüngliche Ausstattung dieses mächtigen Raumes ist 
eine sehr einfache und besteht an der langen Fensterwand aus 
rundbogigen Blendarkaden auf schlichten Pilastern, welche zwei 
Fensterreihen übereinander einfassen. Die tiefen Nischen der 
unteren Fenster sind mit steinernen Bänken ausgefüllt, die sich 
rings an den Wänden fortsetzen und der Renaissance angehören. 
A11 der gegenüber liegenden langen Wand sieht man zahlreiche 
Spuren von Fresken aus derselben Zeit, namentlich eine grosse 
sehr undeutlich gewordene Gerichtsscene, sowie Salomons Urtheil, 
sodann den Reichsadler in den kolossalsten Verhältnissen. Weiter 
ein bemaltes Steinrelief aus gothischer Epoche, die_Darstellung' 
des jüngsten Gerichts. Eine derbe kunstlose Balkendecke bildet 
den Abschluss des Raumes. An der südlichen Schmalseite, wo 
der eingebaute Thurm den Saal verengt, ist eine Erhöhung durch 
eine prachtvolle Steinbalustrade abgeschlossen, die mit ihrer 
reichen Durchbrechung und Bekrönung von köstlichen Masken 
und anderen Ornamenten zu den schönsten Werken der deutschen 
Renaissance gehört. Auf den Ecken sind hockende Löwen an- 
gebracht. Diese Schranken fassen den ehemaligen Richtersitz ein, 
der in der Mitte angebracht ist, von einer Muschelnische bekrönt, 
an den Seitenwangen mit elegantem Rankenornament geschmückt. 
Auch die sich daran schliessenden den Raum einfassenden Stein- 
bänke haben schöne Friese und an den kurzen Ständern Masken, 
dies Alles von geistreicher Erfindung und meisterlicher Ausfüh- 
rung. Ueber dem Sitz erhebt sich eine gemalte Justitia. Man 
liest an den Schranken die Jahrzahl 1591, das Monogramm des 
Meisters Wolf, L W und sein Steinmetzen-Zeichen. 
Herrscht hier die ausgeprägte Renaissance, so ist dagegen 
das Geländer der Treppe, welche neben dem mittleren Eingang 
in den Hofraum hinabführt, noch völlig gothisch aus durchschnei- 
denden Stäben gebildet. Dennoch gehört es, wie die begleiten- 
den Ornamente verrathen, derselben Spätzeit an. In der Erfin- 
dung der prächtigen Ranken und Masken giebt sich gleiche 
Meisterschaft zu erkennen. Geht man diese Treppe hinab, so 
gelangt man in den Hof D, welcher den alten von dem neuen 
Bau trennt. Hier findet sich das Portal, welches wir auf S. 169 
abgebildet haben. Das übertretende Geschoss des Neubaues ist
        

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