Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314980
K39 
Franken. 
Weikersheim. 
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Kastanienalleeu eingefasst, mit Obelisken, Statuen und Spring- 
brunnen geschmückt, jetzt freilich in halber Verwilderung. Den 
Abschluss bildet eine Oolonnade, von einer Plattform mit Balu- 
strade gekrönt. 
Das Weithvollste am Schloss ist die innere Ausstattung. 
Schon die grossen durchbrochenen Gitterthüren aus Schmiede- 
eisen in den Corridoren des Ostflügels fesseln die Aufmerksam- 
keit. Sodann sind in den Wohnzimmern prachtvolle Spiegel mit 
Glasrahmen und silbernen Ornamenten, theilweis schöne Gobelins, 
reich stuckirte und gemalte Decken und ein gediegenes Mobiliar, 
besonders herrliche in Seide gestickte Polstersessel und ein 
pompös geschnitztes Himmelbett. Die Hauptsache ist indess der 
gewaltige Saal, etwa 110 F. lang bei 36 F. Breite und gegen 
26 F. Höhe, dem zu Heiligenberg in den Verhältnissen ungefähr 
entsprechend, nur etwas höher, an Pracht der Dekoration ihn 
freilich, bei Weitem nicht erreichend. Während dort gemalte und ver- 
goldete Schnitzerei die Hauptrolle spielt, ist hier Alles der Malerei 
überlassen. Doch hat auch die Sculptur einigen Antheil an der 
Ausstattung. Zunächst an dem prachtvollen Portal, welches die 
Mitte der östlichen Schmalseite einnimmt, sodann an dem in der 
Mitte der gegenüberliegenden westlichen Seite angebrachten 
Kamin. Beide Prunkstücke entsprechen einander in der Anlage 
und Ausführung. In zwei Geschossen aufgebaut, haben die Pi- 
lasterstellungen eine Dekoration von frei vertretenden Figuren 
nackter Männer und gerüsteter Krieger. Am Friese über dem 
Kamin ein grosses Reliefbild einer Reiterschlacht, ungemein 
lebendig geschildert. Darüber Salomons Urtheil und abermals 
eine Kampfscene. Die Architektur ist derb und reich, fast über- 
laden mit vergoldeten Ornamenten. Das Portal zeigt ähnliche 
Behandlung und wird von zwei Löwen bekrönt. Dazwischen der 
h. Georg mit dem Drachen kämpfend. Ucber dem Portal ist die 
Musikertribüne angebracht, deren Geländer durchbrochene Akan- 
thusranken bilden. Im Uebrigen ist der ganze Saal auf weissem 
Grunde ausgemalt, in den unteren Partieen theilweis aus späterer 
Zeit. So sieht man am Sockel zahllose Darstellungen von Bau- 
werken, darunter französische Schlösser, z. B. St. Germain, den 
Invalidendom zu Paris, das Ludwigsburger Schloss u. s. w. An 
den Fenstcrwänden sind grosse Portraits in Holzrahmen ange- 
bracht, dann zwischen dem untern und oberen Fenster kolossale 
Reliefnachbildungen von Hirschen, zu denen man vorhandene 
Geweihe benutzte; das Ende der einen Reihe bildet ein riesiger 
Elephant. Die Jagdlust der Zeit hat nicht leicht eine so groteske 
Dekoration hervorgerufen. Alles Einrahmende in derb geschweif- 
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