Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314970
466 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
einige jener mächtigen Reichsstädte, deren Kraft und Blüthe sich 
grade in dieser Epoche durch glänzende Denkmäler ausgespro- 
chen hat. 
Den Anfang machen wir mit den fürstlichen Schlössern, und 
zwar zunächst dem Schloss der Fürsten von Hohenl0he-Langen- 
burg zu Weikersheim, das dem Ausgang der Epoche angehört. 
Es ist ein unregelmässiger Bau aus verschiedenen Zeiten, den 
man um 1600 durch eine regelmässige Anlage zu ersetzen be- 
gann, ohne jedoch damit zu Ende zu kommen. Man erkennt dies 
sofort in dem wüst und öde liegenden grossen unregelmässigen 
Schlosshof, der gegen Norden und Westen von schiefwinkligen 
charakterlosen Wirthschaftsgebäuden umfasst wird, während an 
der südlichen und östlichen Seite sich die Hauptgebäude in regel- 
mässiger Anlage rechtwinklig zusammenfügen. Die Mitte nimmt 
ein ziemlich verwahrloster Brunnen ein. An der Ostseite führt 
ein Thorweg mit barocken Portalen von 1683 zu mehreren später- 
ausgeführten unbedeutenden Aussenbauten, welche die Verbin- 
dung mit dem Städtchen vermitteln und eine Axenrichtung mit 
der Kirche herstellen sollten. Nördlich von diesem Thorwege 
tritt im Hofe ein runder Thurm vor, der wie es scheint zu den 
älteren Anlagen gehört. Vor den südlichen Flügel, der den 
grossen Rittersaal enthält, legt sich ein Gang von acht Arkaden 
in sehr derber Rustika mit dorischen Rustikapfeilern. Er trägt 
eine Galerie mit durchbrochener Steinbalustrade von sehr merk- 
würdiger Zeichnung. Von dieser führt in der Mitte ein ebenfalls 
in Rustika behandeltes Portal in den Saal. Am westlichen Ende 
steht die Galerie mit einem polygonen Treppenthurm in Verbin- 
dung, neben welchem sich der Westflügel noch eine kurze Strecke 
fortsetzt. Die Schlosskapelle, unmittelbar an den Saal stossend, 
nimmt die südwestliche Ecke ein. Der östliche Flügel enthält 
die Wohnzimmer, die durch einen Corridor und die grosse recht- 
winklig gebrochene Haupttreppe mit einander in Verbindung 
stehen. 
Die äussere Architektur des Schlosses ermangelt einer feine- 
ren Ausbildung. Nur die hohen Giebel sind im kräftigen Stil des 
Friedrichsbaues von Heidelberg dekorirt. Alles Uebrige besteht 
aus blossem Bruchsteinmauerwerk. Die Fenster der beiden Ober- 
geschosse haben steinerne Kreuzpfosten nach mittelalterlicher 
Art. Acht kolossale Fenster ähnlicher Anlage an der äusseren 
Seite des Südfiügels und ebensoviele an der inneren Seite er- 
hellen den Saal. Kleinere Vierblattfenster über ihnen erinnern 
ebenfalls noch an mittelalterliche Behandlungsweise. An die Süd- 
seite des Schlosses legt sich der prächtige Garten, mit herrlichen
        

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