Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314863
Käp- 
Franken. 
Würzburg. 
455 
abermals eine offene Halle, deren Flachbögen auf kurzen Säulen 
mit korinthisirenden Kapitälen ruhen. Auch hier ist die Decke 
ansprechend gegliedert. 
Der Privatbau der Stadt tragt nicht eben zahlreiche Spuren 
jener Zeit. Bemerkenswerth sind die gewaltig weiten Hofthore, 
wegen der Enge der Gassen durchweg so angelegt, um die 
Wagen mit den grossen Weinbehaltern in den Hof bringen zu 
können. Hier sind dann in grosser Zahl an den Schlusssteinen 
phantastische Köpfe gemeisselt. Bisweilen kommen noch alte 
Höfe vor, meist jedoch in beschränkter Anlage, manchmal mit 
Holzgalerieen umgeben. Der Holzbau ist also selbst hier im 
Lande des besten Bausteins lange herrschend geblieben. Die 
Treppen in den Hausern sind in der Regel steinerne Wendel- 
stiegen. Nur wenige Häuser bringen es zu einer stattlicheren 
Entfaltung der Facade. Meistens sind dies wohl ursprünglich 
adlige Höfe, welche die reiche fränkische Ritterschaft in der 
Hauptstadt zu besitzen liebte. Ein Beispiel dieser Art ist das 
jetzige bischöfliche Palais in der Herrengasse, ein Eckhaus 
von breiter Anlage, der grosse Thorweg mit ungeheuer derben 
Buckelquadern, an der Hauptfacade ein kleineres zierliches Portal 
mit kannelirten korinthischen Säulen, das Hauptportal daneben 
im 18. Jahrhundert erneuert. Der Bau ist im Uebrigen ganz 
schlicht, nu1' durch einen hohen phantastisch geschweiften Giebel 
und einen polygonen Erker auf der Ecke ausgezeichnet. Am 
Erker in zwei Geschossen prächtige Hermen, Kaiserköpfe und 
hübsche Flachornamente. Ein ähnlicher Erker am Wittelsbach er 
Hof, hier aber in besonders feiner Behandlung, mit kannelirten 
toskanischen Halbsaulen, das Ganze sehr bescheiden und wesent- 
lich verschieden von jenem Bau. Auch der Kürschnerhof, 
Ecke der Blasiusgasse, hat einen solchen polygonen Erker, der 
wieder mit Hermen, Karyatiden und zierlichen Ornamenten ge- 
schmückt ist. 
Von den oft sehr malerischen Höfen ist einer der originellsten 
im Hause Wohlfahrtsgasse 205. Vorn am Eingang die Wendel- 
stiege in einem achteckigen Treppenhaus, dann an der linken 
Seite eine Galerie auf Steinpfeilern in zwei Geschossen durch- 
geführt; der ganze Oberbau derselben von Holz mit schön proülirten 
Balken, daran Löwenköpfe; an den Kapitälen breite Voluten und 
hübsche wappenhaltende Engelfigürchen, die obere Galerie mit 
Hermen an den Pfeilern, die unteren Pfosten aber. auch in Fi- 
gürchen auslaufend, darunter die Madonna, Johannes der Täufer 
u. A., sämmtlich unter gothischen Fialen stehend. So mischt sieh 
auch hier Mittelalter und Renaissance. Eine Holzgalerie besitzt
        

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