Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314841
K39 
Franken . 
Würzburg. 
453 
ein grossei- Vorsaal, dessen Balkendecke in mittelalterlicher Pro- 
tilirung auf vier Holzsäulen ruht. Daran stösst ein grosses Eck- 
zimmer, das mit seinen tiefen, breiten, gekuppelten Fenstern und 
seiner gut erhaltenen Holzdecke, sowie dem Ülafelwerk der Wände 
einen unvergleichlich malerischen Eindruck macht. Die Holz- 
bekleidung hat nämlich noch ihre alte Polychrornie in Blau, 
Weiss, Gold und Schwarz, sparsam ausgetheilt, aber auf dem 
tief braunen nachgedunkelten Holzgrunde trefflich wirkend. Der 
obere Saal, dem untern entsprechend, hat ebenfalls noch seine 
alte Balkendecke. In den Formen sind überall mittelalterliche 
Anklänge, wie denn namentlich die Fenster die spätgothischen 
Abschlüsse in gebrochenen Kreissegmenten zeigen. 
Dem Ausgang der Epoche gehört ein grosser Giebelbau am 
Markt, jetzt das Landgerichtshaus, an. Die Formen sind hier 
die des ausgebildeten Barockstils, namentlich das phantastisch 
behandelte Hauptportal. Die steinernen Kreuzpfosten der Fenster 
sind in antikem Sinn als Pilaster ausgebildet; ebenso fassen 
Pilasterstellungen mit Architraven jedes Fenster ein. Im Innern 
führt der lange mit einem Tonnengewölbe bedeckte Flur auf eine 
steinerne Treppe, die in vier Absätzen rechtwinklig gebrochen 
emporführt. An der Rückseite des Gebäudes ragt ein viereckiger 
Thurm mit geschweiftem Kuppeldach auf. 
Würzburg. 
Zu bedeutenderer Ausbildung und reicherer Anwendung ge- 
langt die Renaissance in Würzburg. Die alte Bischofstadt, in 
den frühesten Zeiten schon der Mittelpunkt der Kultur in Franken, 
hat bis auf den heutigen Tag noch viel von jener alten Herrlich- 
keit gerettet, nach welcher uns die Abbildung in Merian's Topo- 
gwplliß, unbedingt eins der herrlichsten Städtebilder Deutsch- 
lands, lüstern macht. Was die herrliche Stadt noch an romani- 
schen lllüllumellfßn birgt," voran der gewaltige Bau des Domes, 
gehört zum Bedeutendsten jener Epoche. Minder reich ist die 
Gothik vertreten, doch Weist sie das anmuthige Werk der Marien- 
kapelle mit ihren köstlichen Seulpturen auf. Die Plastik über- 
haupt hat seit der gothischen Zeit in Würzburg reiche Pflege 
gefunden, bis sie in Tillman Riemensclzncider ihre höchste Blüthe 
erreicht. Er ist es auch, mit welchem die Renaissance ihren 
Einzug hält. Eine phantastisch spielende Frührenaissance tritt 
hier zum ersten Mal an dem Grabmal des Fiirstbisehofs Lorenz 
von Bibra (1- 1519) im Dom hervor. Der Meister hätte wahr-
        

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