Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314776
446 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
Treppenthurm des östlichen Flügels, der noch die gothischen 
Formen zeigt, dass 1470 Graf Philipp dies Werk habe beginnen 
lassen. Ein ähnlicher Thurm befindet sich gegenüber an dem 
Westfiügel, dann in der nordwestlichen Ecke ein polygones 
Stiegenhaus, und gleich daneben im Erdgeschoss ein hübscher 
rechtwinkliger Erker auf eleganten Oonsolen. Dies ist aber ein 
Zusatz der späteren Renaissance, welcher Zeit auch die beiden 
kleinen Giebel am östlichen und westlichen Flügel angehören. 
Das Beste indess, was diese Zeit hinzugefügt, ist das überaus 
delikat in rothem Sandstein gearbeitete Portal an der mittleren 
Haupttreppe. Es wird von zwei frei vorspringenden kannelirten 
ionischen Säulen eingefasst, über welchen ein kräftig vorgekröpf- 
tes Gebälk eine zweite Säulenstellung trägt. Letztere ist korin- 
thiseh mit fast gebrechlich zierlichen Schäften, deren unterer 
Theil g-raziöse Trophäen und Festons zeigt. Diese Formen sowie 
die Piianzenornamente des Frieses, die beiden Wappen in der 
Attika, die elegante Giebelbekrönung derselben gehören zum 
Feinsten aus jener Zeit. Ein noch prachtvolleres wenn auch min- 
der edles Portal bildet im Erdgeschoss des Treppenhauses die 
Verbindung mit einem nach aussen führenden gewölbten Flur. 
Hier umrahmen prächtige Hermen die Pforte, am Thürsturz sieht 
man elegante Arabcsken. Darüber wieder die beiden Wappen 
mit den Namen Graf Philipps des Jüngern von Hanau und seiner 
Gemalin Katharina geborenen Gräfin zu Wied. Im Uebligen ist 
das Innere des Schlosses ohne Interesse. 
Dagegen bieten einige Reste von Privathäusern Zeugnisse 
einer gewissen architektonischen Thäiigkeit. Die ansehnlicheren 
Gebäude haben sämmtlich einen Hof neben sich mit hoher Um- 
fassungsmauer, von der Strasse durch ein grosses Bogenportal 
und ein kleineres Pförtchen zugänglich, wodurch zugleich der 
Eingang in's Haus vermittelt wird. S0 zeigt es in einfacher 
Weise der Gasthof zum Adler, ähnlich das daneben liegende 
Haus, wo dann zur Rechten im Hof eine steinerne Wendeltreppe 
in den. Hauptbau führt, während links ein Nebengebäude durch 
ein hübsches Reuaissanceportal charakterisirt ist. Schräg gegen- 
über in derselben Strasse ein Haus von ähnlicher Anlage, im 
Hof ebenfalls die Wendeltreppe mit der Jahrzahl 1602. An den 
fllhüren überall hübsche eiserne Klopfer. 
 Von ganz anderer Bedeutung ist das grossartige 80111088 Zu 
Aschaffenburg, eins der mächtigsten Gebäude der deutschen 
Renaissance, im Auftrage Kurfürst Johann Schweikaids von 
Kronberg durch Georg Riediizger von Strassburg als Residenz 
des Erzbischofs von Mainz erbaut, 1613 vollendet. Ueber einer
        

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