Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314766
KäIL 
Franken. 
Babenhausen. 
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mente in dem üblichen Metallstil zeigen. Das Hauptportal ist im 
Rundbogen geschlossen, auf Rustikapilastcrn, überaus kraftvoll 
behandelt, die Archivolte mit Eierstab und Zahnschnitt, der 
Schlussstein mit energisch ausgebildeter Console, dies Alles den 
Arbeiten im Schlosshof verwandt. Das Erdgeschoss öffnete sich 
ehemals nrit grossen Arkaden im Rundbogen, die facettirte Qua- 
derbehandlung zeigen. Die beiden oberen Geschosse haben ge- 
kuppelte Fenster mit geradem Sturze und gothischer Profilirung. 
Auf dem hohen Dach reitet ein kleiner Glockenthurm. Im Innern 
ist ein unbedeutender Saal, dessen Thür jedoch mit ihren höchst 
kindlich behandelten Sanlenkapitälen und henkelartig ausgebauch- 
ten Pilastern den Beweis liefert, dass hier neben sehr tüchtigen 
Steinmetzen auffallend zurückgebliebene Schreiner thätig waren. 
Im Uebrigen ist die Ausbeute in der Stadt dürftig. Nur die 
Alexanderstrasse ist ganz mit geringen Bauten des spätesten 
Stiles besetzt. Eine Tafel am Anfang der Strasse erzählt, dass 
Ludwig VI diesen Theil der Stadt 1675 gegründet habe. 
Hier etwa wäre noch das Schloss zu Kirchhausen, nord- 
westlich von Heilbronn, erwähnt in Klunzingers Aufsatz, einzu- 
fügen, das als Deutschordensbau aufgeführt wurde. Es ist aller- 
dings eine malerisch gruppirte Anlage, zweifiügelig, mit Um- 
fassungsmauer, vier runden Eckthürmen und tiefem Graben 
versehen; allein künstlerisch ohne allen Werth, dürftig und roh 
behandelt. 
Werthvoller ist in Babenhausen das Schloss der Grafen 
von Hanau, jetzt als Kaserne dienend, ein zwar im Ganzen 
ebenfalls ziemlich roher Bau, der indess einige elegante Details 
der Renaissance enthält. Die Anlage ist ursprünglich überwie- 
gend zu Festungszwecken ausgeführt worden. Noch sieht man 
die Spuren der Gräben und Walle, welche in weitem Viereck 
das Ganze umzogen, mit vier mächtigen Rundthürmen auf den 
Ecken. Innerhalb dieser Umfriedung erhebt sich abermals als 
Viereck das Schloss, nach aussen ohne eine Spur von künst- 
lerischer Behandlung. Der Eingang liegt an der Nordseite in 
einem vorgeschobenen Thorthurrn, aussen mit doppeltem Wappen 
über dem Eingang, das von sehr rohen primitiven Renaissance- 
pilastern eingefasst wird. Die Jahrzahl 1525 beweist, wie früh 
diese Formen hier erscheinen. Tritt man in den Hof, so glaubt 
man zu erkennen, dass die etwas unregelmässige. Gestalt des- 
Selben zwei verschiedenen Bauzeiten angehört. Ungefähr in der 
Mitte des Südlißhßn Flügels tritt nämlich ein polygoner Treppen- 
thurm heraus, der mit einem sehr feinen Portal der späteren 
Renaissance geschmückt ist. Dagegen liest man an einem runden
        

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