Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314741
Käp- 
Franken. 
Darmstadt. 
443 
Art, der Bart in Früchte auslaufend, meisterlich und mit Humor 
behandelt; datirt 1672. Dies Portal führt in einen zweiten klei- 
neren Hof, in welchem der mit einem Tonnengewölbe bedeckte 
Durchgang auf ein Völlig identisches Portal mündet. Nur die 
unteren Köpfe an den Stylobaten sind anders, und zwar noch 
reicher behandelt. Hier die Jahrzahl 1671. Den südlichen und 
zum Theil auch den westlichen Abschluss der ganzen Anlage 
bildet der kolossale spätere Bau mit seinen öden Massen. 
Begeben wir uns zum Portal des nördlichen Flügels zurück, 
so führt uns dasselbe auf einen Durchgang, der mit elegantem 
spätgothischem Sterngewölbe bedeckt ist. Derselbe mündet nach 
der Aussenseite auf ein in Rustika mit facettirten Quadern durch- 
geführtes Portal, das die Jahrzahl 1595 trägt. Dies ist das Datum 
der gesammten älteren Renaissance-Bautheile. Hier folgt nun 
ein (lritter ganz unregelmässiger Hof, der die ältesten Theile der 
Anlage in sieh schliesst. Der westliche Flügel, sogenannte Weisse 
Saalbau, und der anstossende diagonal nach Nordwest ausbie- 
gende, sogenannte Hofconditorei-Bau, sind Reste der früheren 
mittelalterlichen Anlage eines ursprünglich den Grafen v-on Katzen- 
elnbogen gehörigen im 14. Jahrhundert erbauten Schlosses. 1) An 
der Nordseite dieses Hofes findet sich wieder ein Portal in 
Rustika, aber mit manchen Veränderungen angelegt. Namentlich 
haben die zwischen den facettirten Bändern liegenden Flächen 
fein behandelte Ornamente in dem bekannten Metallstil der Zeit. 
Die Pilaster sind nach unten stelenartig verjüngt. Das Ganze 
"macht einen ebenso kräftigen wie eleganten Eindruck. Darüber 
im zweiten Geschoss ein Doppelbogen, ebenfalls in derber Rustika 
auf ähnlich behandelten Pfeilern mit facettirten Quadern. Von 
diesem Portal führt ein langer niedriger gewölbter Gang zu einem 
äusseren festungsartigen Thor, das nur mit einigen Masken und 
den Wappen Landgraf Georgs zu Hessen und seiner Gemalin 
Sophia Eleonora geschmückt ist. Die hohen Seitengiebel dieser 
älteren Theile des Schlosses sind in den üblichen Formen der 
Zeit mit geschwungenen Voluten und aufgesetzten Pyramiden ent- 
wickelt, aber nicht besonders fein oder reich. Es ist Mittelgut. 
Ueber die Baugeschichte des Schlosses steht so viel fest, 
dass zwischen 1360 und 1375 aus einer früheren einfachen Be- 
fegtigung ein Wohnliches Schloss für die Grafen von Katzeneln- 
bogen errichtet wurde, dessen Reste in dem Hofconditorei-Bau 
und dem Weissen Saalbau zu suchen sind. Nachdem das Schloss 
1) Vgl. die gediegene Abhandlung von Dr. L. 
Grossh. Residenzschl. zu Darmstadt. Mit Plänen. 
Weyland, Geseh. 
Darmstadt 1867. 
des
        

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