Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314689
tige Fagade aus der spätesten Zeit, 1637 bezeichnet, in der Saal- 
gasse Nr. 29 mit ungemein reich aber schon etwas zu kraus 
behandelten Consolen, die Bogen sehr elegant mit Eierstab, Perl- 
schnur und Zahnschnitt decorirt, auf Rnstikapfeilern, deren Qua- 
der rundlich profilirt sind, nicht mehr so energisch und markig 
wie die früheren. Es ist ein Doppelhaus mit zwei Giebeln. Da- 
gegen bilden die Ecke des Markts und des Römers zwei ganz 
schmale Häuscr mit nur einem gemeinsamen Giebel. An der 
Ecke des ersten sieht man in Holz geschnitzt Adam und Eva, 
darunter: „dies Haus steht in Gottes Hand, zum kleinen Engel 
ist es genannt". Das andre, gegen den Römer, hat über dem 
Parterre ein Halbgeschoss mit kleinen zierlichen gothischen Fen- 
stern, deren Bogen dreimal gebrochen. Das Uebrige hat Renais- 
sanceformen. Ein Erker ist auf hölzernen Streben mit Masken 
ausgebaut, im oberen Geschoss Satyrn als Consolen. Dabei der 
Spruch: „Beati qui timent dominum". Die oberen Theile der 
Facade ganz mit Schiefer bekleidet, der Erker mit polygonem 
Thurmdach geschlossen, alle construktiven Theile, Stützen und 
Consolen aus Holz. So geht hier neben einer reich und kräftig 
ausgebildeten Steinarchitektur der Holzbau ununterbrochen her. 
Eins der spätesten und reichsten Häuser dieser Epoche ist die 
goldene Waage, Ecke der Höllgasse am Markt. Die Pilaster sind 
ganz diamantirt, ebenso die sehr hoch gezogenen Bögen, alles 
ist ungewöhnlich schlank. Die Consolen reich, aber in hässlicher 
Gesanimtform, nicht mehr so fein entwickelt wie die früheren; 
die Eckconsole ruht auf einer hockenden Frauengestalt, das 
zweite Stockwerk auf Consolen leichterer Art. Der Architekt 
hat an diesem Hause alles Andere durch Reichthum zu über- 
bieten gesucht, aber in seinen Formen vermisst man den Adel 
der früheren Arbeiten. Prachtvoll sind die Eisengitter in den 
Bögen. Daneben der weisse Bock, ein kleines unbedeutendes 
Haus, aber mit einer der schönsten Consolen dieses Stiles: ein 
nackter Knabe halt mit ausgebreiteten Armen die zierlichen Vo- 
luten,  ein sinniges Motiv, dabei von schönem Profil. Derb und 
kräftig das Haus Neue Krem 27, die Bögen lebensvoll gegliedert, 
die Consolen derb und reich behandelt mit Masken und ionischen 
Kapitalen, die Eckconsole besonders elegant. Eine der pracht- 
vollsten Eisenarbeitcn endlich am Hause Saalgasse 21 im Portal- 
bogen, bezeichnet 1641. In der Mitte ein verschlungener Schreib- 
schnörkel, dabei blasende Genien, Masken und anderes Phan- 
tastische. Schliesslich ist noch der Brunnen auf dem Markt zu 
erwähnen, ebenfalls vom Ende der Epoche: ein achteckiges 
steinernes Becken, aus welchem sich nicht wie gewöhnlich eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.