Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314654
434 
III. 
Buch. 
Die Renaissance in Deutschland. 
kräftigen oft sehr eleganten Steinconsolen weit über das Erd- 
geschoss vor. Von dieser Architektur ist hier noch Manches er- 
halten.  Nahebei in derselben Gasse am Glesernhof zwei 
treffliche Fenster- und Portalfüllungen mit herrlich stilisirten 
Eisengittern. 
Das Prachtstück dieser Architektur ist das Salzhaus, Ecke 
des Römerbergs und der Wedelgasse. Die an der Gasse liegende 
Langseite zeigt fünf grosse Arkaden auf kräftig facettiiten Ru- 
stikapfeilern von trefflicher Behandlung, in den Bögen Füllungen 
von Eisengittern, die vordersten zugleich die schönsten und 
reichsten. Kräftige Consolen mit Masken tragen das weit vor- 
springende Balkenwerk der oberen Geschosse. Man sieht hier 
so recht, wie die Einengung der mittelalterlichen Städte zu raffi- 
nirtestem Ausnutzen des Raumes auf Kosten von Luft und Licht 
zwang. Die oberen Wände zeigen noch reiche Spuren von Ge- 
mälden, unten breite Bilder mit Figuren und Landschaften, in 
der Mitte Fruchtschnüre, darüber wieder lfigürliches, oben in 
zwei Reihen abermals Fruchtgehänge, Alles sehr reich in den 
Farben. Die schmale Giebelseite gegen den Platz, welche Fig. 109 
darstellt, ist dann ganz in Holz geschnitzt, und zwar in völliger 
Nachahmung von Steindecoration, gleichsam eine Inkrustation 
von Holzplatten, ein Ouriosum der Architektur, aber mit Meister- 
schaft ausgeführt in flachem Relief, dazwischen einzelne Köpfe 
kräftig vorspringend, voll plastischer Wirkung. Unter den Fenstern 
des Hauptgeschosses an der Sohlbank die Figuren der Jahres- 
zeiten sowie Genien mit Fruchtschnüren und Wappen. Dazu der 
enorm hohe Giebel, frei geschweift, aber ohne Aufsätze, dafür 
mit gothisirender Spitzengarnitur. Die hölzerne Treppe im Innern 
ist eine tüchtige Arbeit des 18. Jahrhunderts.  
Dieses Haus steht mit seiner Behandlung vereinzelt da, wäh- 
rend "im Uebrigen die gleichzeitigen Privatgebäude in Frankfurt 
sich mit einer kräftigen Arkadenarchitektur im Erdgeschoss be- 
gnügen, und die oberen Stockwerke in der Regel ohne künst- 
lerische Ausbildung sind. Man behielt sie wohl grossentheils der 
Wandmalerei vor. Bisweilen findet _man auch noch malerische 
alte Höfe, so in der alten Mainzergasse Nr. 15 ein Hof mit zwei 
Holzgalerien über einander, sammt offen liegender Treppe, die 
Stützen der untern Galerie stelenartig verjüngt. In dieser Gasse 
findet man noch mehrere Häuser mit trefflichen plastisch behan- 
delten Oonsolen, anscheinend von derselben Zeit und vielleicht 
von der gleichen Hand wie die oben erwähnten Arbeiten am 
Römer. So das Haus zum goldnen Kängen (Kännchen) Nr. 54; 
ferner das Eckhaus der Kerbengasse, u. a. m. Eine grosse präch-
        

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