Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310606
Kap 
Die 
deutschen 
des 
Renaissance 
Geistes. 
29 
fürstlichen Gnaden einen Schatz von Ketten, Kleiuodien und Edel- 
steinen gewiesen, auch von seltsamen Münzen und Goldstücken, 
die eines Kopfesgrösse hatten, so dass er selbst sagte, er wäre 
über eine Million an Golde werth". Daneben kommt freilich auch 
der Sinn für merkwürdige Naturprodukte und Curiositäten zur 
Geltung, wie denn besonders eine Sammelwuth auf stattliche 
Hirschgeweihe bestand. In Dürer's Briefen an Pirkheimer spielen 
solche eine grosse Rolle, und Letzterer nimmt es der Witwe 
seines Freundes sehr übel, dass sie ein prachtvolles „Gehurn" 
aus dem Nachlass ihres Mannes vertrödelt habe statt es ihm an- 
zubieten. 1) 
Gegenüber diesem regen Treiben in bürgerlichen Kreisen ist 
es auffallend wie wenig der Adel am geistigen Leben der Zeit 
sich betheiligt. Am Anfang der Epoche steht Ulrich von Hutten, 
an ihrem Ende der begabte Herzog Julius von Braunschweig als 
vereinzelnete Repräsentanten einer höhern literarischen Thätig'- 
keit aus diesen Schichten der Gesellschaft da. Der rohe Zu- 
stand, in welchem Aeneas Sylvius im 15. Jahrhundert den Adel 
und die Fürsten Deutschlands gefunden hatte, erhält sich trotz 
Humanismus und Reformation noch bis ans Ende dieser Epoche. 
Dass es noch Adlige gab, die des Lesens und Schreibens un- 
kundig waren, erfahren wir unter Anderem durch Sastrowß) Auch 
hierin konnte die neue Zeit nur langsam die Ueberreste 1nittel- 
alterlicher Rohheit überwinden. Ja wenn man einem Ausspruch 
der Zimmerischen Chronik trauen will, so hätte sich das Haupt- 
laster der Deutschen, das starke 'l'rinken, erst im Laufe dieser 
Zeit so unmässig gesteigert, denn es heisst dort einmalza) „vor 
Jahren, ehe das gräulieh Saufen aufgekommen." Dies war indess 
seit alter Zeit die Klippe der deutschen Cultur, und wenn wir 
die massenhaften Berichte darüber bei den Zeitgenossen ins Auge 
fassen, so ist der Eindruck ein überwältigender. Nirgends vielleicht 
tritt diese Seite des Lebens so deutlich ins Licht wie in den 
Schilderungen Sehweinichens. Mit der Gewissenhaftigkeit eines 
guten Haushalters hat er während seines ganzen Lebens alle 
mehr oder minder „starke Rausche", die er sich getrunken, in 
seinem Tagebuch verzeichnet, so dass sich ohne grosse Mühe 
eine Statistik darüber anfertigen liesse. Dass er erst im Zustande 
des Rausches fest auf seinen Füssen stand, haben wir schon er- 
fahren; aber in allen Lebenslagen, selbst in bedenklichen Mo- 
menten kommt ihm ein tüchtiger Rausch zu statten, wie damals 
III. 
Reliquien , 
1) CampeVS 
76. 
164. 
Chron. 
3) Zimm.
        

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