Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314620
Frank en. 
Frankfurt. 
431 
Namen „Philipp Bernhard Langwerth von Simmern und Christina 
von Langwerth, geborne von Gemmingen."  
Das Rathhaus zu Kiedrich mit seinen beiden Erkern ist 
ein nicht unbedeutender Bau der Renaissancezeit, und mehrere 
reich geschmückte Holzbauten daselbst gehören derselben Epoche. 
 In Gross-Steinheim, gegenüber von Hanau, ist das von 
Hutteifsche Haus ein tüchtiges Werk der Zeit, mit einem steiner- 
nen Erker und hölzernem Oberbau. 
In Wiesbaden ist das am Marktplatz gelegene, jetzt als 
Telegraphenamt dienende ehemalige Rathhaus ein schlichter 
Bau von guten Verhältnissen und charaktervoller Erscheinung, 
dabei für die späte Jahrzahl 1610, welche man über dem Por- 
tale liest, auffallend streng in der Behandlung. Eine stattliche 
doppelte Freitreppe, die auf den beiden unteren Podesten zu 
einfachen Bogenportalen, auf dem oberen zur Hauptpforte führt, 
nimmt fast die ganze Breite der Facade ein. Sämmtliche Portale, 
auch die beiden zum Keller führenden, sind im Rundbogen ge- 
schlossen, die Hauptpforte mit Rahmenpilastern eingefasst, welche 
Rosetten als Füllung haben. Auch die Fenster der beiden Haupt- 
g-eschosse sind rundbogig, die unteren mit Steinkreuzen von brei- 
ten Pfosten durchschnitten, die Profile mit Stab und Hohlkehle 
noch gothisirend. Die oberen Fenster etwas abweichend proiilirt 
und mit einem Querstab durchschnitten, über welchem der mitt- 
lere Pfosten sich in zwei Spitzbögen theilt. Ueber der Mitte der 
Faeade erhebt sich vor dem hohen Pultdach ein kleiner ab- 
getrepptei- Giebel. Auch das Hauptdach ist an den Seiten mit 
ähnlich behandelten Giebeln versehen, die jede reichere Glie- 
derung verschmähen. Die construktiven Theile, namentlich die 
Einfassungen der Fenster und Thüren, bestehen aus Sandstein, 
die Flachen dagegen sind verputzt, nur an den Ecken durch 
Bustikaquadern eingerahmt. Man könnte den schlichten und doch 
charaktervollen Bau für ein Werk vom Anfang des 16. J ahrhun- 
derts halten. 
Rcichere Ausbeute gewahrt Frankfurt. Die Stadt hat schon 
früh durch ihre günstige Lage als Vermittlerin zwischen Süd- 
und Norddeutschland, durch Handel und Gewerbfleiss ihrer Be- 
wohner sich zu hoher Bedeutung aufgeschwungen. Ihre Messen, 
die schon seit dem 14. Jahrhundert in g-rossem Ansehn standen, 
steigerten noch mehr ihre Wichtigkeit für den gesammten deut- 
schen Handelsverkehr. Wenn auch die Stadt im schmalkaldischen 
Kriege schwer zu leiden hatte, blieb ihre Kraft und Blüthe doch 
noch gross genug, um sich in einer tüchtigen bürgerlichen Bau- 
kunst auszusprechen. Einiges aus dieser Zeit iindet man im
        

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