Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314593
428 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
Die benachbarten Gegenden am Rhein bieten nur geringe 
Ausbeute. Die verheerenden Einfälle der Franzosen haben hier 
wohl Vieles zerstört. Ungemein roh in der Behandlung, aber 
von malerischer Composition, ist in Loreh das Hilchenhaus, von 
welchem wir in Fig. 1107 eine Abbildung geben. Ein hoher und 
breiter Giebelbau, mit spielenden Voluten und muschelförmigen 
Krönungen, durch nüchterne Lisenen und Gesimse gegliedert. 
Das Erdgeschoss ist in Quadern, die übrige Facade in den 
Flächen blos geputzt, die construktiven Theile aus Sandstein 
und zwar die Säulen, Eckeinfassungen, Füllungen der Fenster- 
bänke aus rothem, die Pilaster, Fensterrahmen und Pfosten aus 
gelbem Stein. Das Originellste ist der Erker, um welchen sich, 
auf plumpen Säulen und elephantenmässigen Tragsteinen ruhend, 
ein Balkon herumzieht. Man hat für den Bau offenbar nur 
geringe Kräfte von handwerklicher Bildung zur Verfügung gehabt. 
Das unbedeutende und ungeschickt behandelte Portal führt zu 
einem niedrigen Flur, und dieser zu einer Wendeltreppe, die 
links in dem Nebenhause, einem schlechten Fachwerkbau, liegt. 
Das Hauptgeschoss enthält einen stattlichen Saal, mit einfacher 
Balkendeeke, dabei der Erker mit gothischem Sterngewölbe. Da- 
neben zwei andre Zimmer. Vor denselben läuft ein Gang mit 
Tonnengewölbe, zur Linken desselben liegt die Küche mit andern 
untergeordneten Räumlichkeiten, diese ebenfalls mit Tonnen- 
gewölbcn. Die Thür zum Saal ist noch gdhisch. Das zweite 
Geschoss hatwlieselbe Eintheilung. Ein mächtiger Keller, hier 
im Lande des besten Rheinweins doppelt berechtigt, zieht sich 
auf Säulen gewölbt unter dem Hause hin. 
Ganz andrer Art ist ein Haus in Eltville (Ellfeld), das dem 
Ausgang der Epoche angehört. Mit der einen Front nach der 
Strasse liegend ist es im Uebrigen ganz von einem grossen Gar- 
ten mit prächtigen Bäurnen eingeschlossen und zeigt in seiner 
Anlage den Charakter eines vor-nehmen Landsitzes. Deshalb aller 
Nachdruck auf das hohe Erdgeschoss gelegt, dem nur ein un- 
bedeutendes oberes Stockwerk hinzugefügt ist. Das letztere völlig 
schmucklos, und zwar mit Absicht so gehalten, während das 
Erdgeschoss elegante Ausbildung zeigt. Die breiten dreitheiligen 
Fenster, von schlanken ionischen Pilastern eingefasst, getheilt 
und mit Giebeln bekrönt; die Pilaster kannelirt, der untere Theil 
des Schaftes mit Ornamenten im Schlosserstil geschmückt. Die 
Ecken des Hauses mit breiten einfachen Pilastern eingefasst. 
Der kleine Erker an der. Strasse ist wohl neuerer Zusatz. Das 
Portal liegt an der Gartenfront. Am Thorweg des Hüfes auf der 
Rückseite der Besitzung sieht man ein Doppelwappen und die
        

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