Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314584
Kap- 
Franken. 
Mainz. 
427 
Formen sind schon barocker, die Pfeiler mit Rustikaquadern. 
Man liest die Jahrzahl 1624. Eine prächtige Faeade hat sodann 
der Römische Kaiser, früher „ad magnam stellam", auch 
"Marienberg" genannt, gleich dein vorerwähnten von einem rei- 
chen Rentmeister Rokoch erbaut und wie jenes damals als Gast- 
hof dienend, auf beiden Seiten hohe Giebel mit barock geschweif- 
ten Formen, von Halbsäulen auf Consolen gegliedert. In der 
Mitte baut sich ein Thürmchen empor, mit einer offnen Säulen- 
kuppel endend, darüber eine Statue der Madonna mit prächtigem 
Eisenwerk als Bekrönung. Die drei Portale der Faeade sind 
derb barock, mit Säulen eingefasst, die seitlichen sogar mit 
schraubenförmig gewundenen. In der Zopfzeit ist einiges Figür- 
liche hinzugefügt worden. Im Innern der Hausflur mit sehr 
derber Stuckdecoration an der Wölbung ausgestattet; Putten und 
anderes Figürliche mit Laubwerk wechselnd, grössere Felder 
dazwischen, theils mit gemalten Wappen ausgefüllt. Die breite 
'l'reppe geht links in geradem Lauf rechtwinklig gebrochen mit 
Podesten hinauf, der ganze Raum gewölbt auf Pfeilern, Alles 
stattlich. Ein tüchtiger Bau ist noch der KnebePsc-he Hof bei 
S. Christoph, mit schönem Erker, der von Karyatiden getragen 
wird; das Portal nebst dem Treppenthurm und den Fenster- 
umfassungen elegant ornamentirt. Der Bau wurde bald nach 
1598 durch den Domherrn Wilhelm Knebel von Katzenelnbogen 
errichtet und ist neben manchen andern ein Typus der Adels- 
höfe, wie sie in Bischofstädten hauptsächlich sich ausgeprägt 
haben. 
Noch ein Privathaus derselben Zeit sieht man in der Au- 
gustinerstrasse, mit hohem Giebel abgeschlossen. Die Ecken der 
Faeade mit Rustikaquadern eingefasst, die Mauerfiächen ver- 
putzt, der Giebel mit schweren hässlichen Voluten und klein- 
liehen Pyramiden, Alles sehr roh und handwerksmässig.  Sehr 
barock ist auch ein Fachwerkbau in der Leihhausstrasse, der 
indess den Steinstil nachahmt. Nur das Erdgeschoss besteht aus 
Quadern und ist mit reich und kräftig behandelten Consolen ab- 
geschlossen. Die oberen Geschosse durch hermenartige Pilaster 
gegliedert. 
Von den trefflichen Chorstühlen im Kapitelsaal oder viel-k 
mehr in der Nikolauskapelle des Domes ist schon S. 92 geredet 
worden. Sie stammen aus der ehemaligen S. Gangolfs-Hofkirche, 
welche unter Erzbischof Daniel Brendel von Homburg 1570-81 
umgebaut und glänzend ausgestattet wurde. Da das Wappen 
desselben an der Rückwand vorkommt, so datiren sie offenbar 
aus jener Zeit.
        

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