Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314574
426 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance 
Das Innere, später völlig umgebaut, bewahrt keine Spur der 
älteren Anlage. 
Die ehemalige Universität, jetzt Kaserne, ist ein einfacher 
hoher Massenbau, mit schlichten gekuppelten Fenstern in vier 
Geschossen, das Ganze ohne jegliche Gliederung oder künst- 
lerische Belebung. Nur" die beiden ganz gleich behandelten Por- 
tale, von kanneliiten korinthischen Säulen eingefasst, deren 
Schäfte gegürtet sind, machen einen eleganten Eindruck. Die 
Krönung bildet ein attikenartiger Aufsatz, von stark verjüngten 
Pilastern eingerahmt und mit einem Giebel abgeschlossen, der 
ein Wappen enthält. Der Portalbogen hat ein hübsches Eisen- 
gitter. Der Bau wurde 1615 durch Kurfürst Johann Schweikard 
von Kronbe-rg, der auch das Schloss von Aschaffenburg ausführen 
liess, begonnen. Schon 1618 fand die erste Promotion darin 
Statt, was auf rasche Vollendung des einfachen Baues deutet. 
Das Gymnasium in der Betzenstrassc, ehemals Kronberger 
Hof, erst Priesterhaus, dann Seminar, seit 1803 seiner jetzigen 
Bestimmung übergeben, ist ein Bau desselben Fürsten. Es hat 
einen diagonal gestellten Erker von sehr energischer, zwar stark 
barocker, aber ungemein lebensvoller Behandlung. Die Formen 
erinnern stark an die französische Architektur der Zeit, welche 
hier wohl Einfluss geübt hat. Die verschlungenen Voluten, die 
aufgesetzten Pyramiden, die Barockrahmen der eleganten Schilde, 
die sehlosserartigen Ornamente, das Alles ist von malerischem 
Elfect und ungemein eleganter Behandlung. Das rundbogige 
Portal ist in schwerfälligem Verhaltniss von zwei kannelilten kräf- 
tigen Pilastern eingefasst, darüber ein hässlich leerer Giebel. 
Im Hof nichts Bemerkenswerthes, nur etwa die beiden polygonen 
Treppenthürmchen mit Wendelstiegen; das Portal zu dem links 
befindlichen mit durchschneidenden gothisehen Stäben eingefasst. 
Von Privatgebauden ist zunächst das Haus zum König von 
England, ehemals „zum Spiegel", hervorzuheben. Die Facade 
ist durch mehrere hohe Giebel gekrönt, die mit schwerfälligen 
Voluten und Pyramiden belebt sind. Der linke Theil der Facade, 
welcher auf die Seilergasse geht, öffnet sich mit drei Arkaden 
auf gut gegliederten Pfeilern, die Bogen mit Zahnschnitt und 
Eierstab lebendig; gegliedert, die Schlusssteine mit gut behandel- 
ten Masken. Sehr schön ist der innere Hof behandelt, mit einer 
kräftig geschnitzten Holzgalerie auf weit vorspringenden Consolen 
umgeben, die Eintheilung voll rhythmischen Wechsels, die Ge- 
sammtwirkung in hohem Grade malerisch.  In der Sßilergasse 
sieht man noch ein anderes Haus mit ähnlichen Arkaden, wie 
sie oft in jener Zeit als Verkaufsläden angelegt wurden. Die
        

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