Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314542
Kap 
Franken. 
423 
heimische Kräfte verlassen zu dürfen, sondern berief nieder- 
ländische Künstler, die damals völlig der italienischen Richtung 
folgten. Diese Werke sind nicht blos durch die gediegene Be- 
handlung des Figürlichen 1) ausgezeichnet, sondern beweisen auch 
im architektonischen Aufbau das treffliehe Stylgefühl jener Meister. 
Dazu kommen die prachtvollen Eisengitter, namentlich am Augustus- 
brunnen die bekrönenden Ranken und Blumen von unübertreif- 
licher Schönheit?) Diese Brunnen vollenden den grossartigen 
Eindruck der lllaximilianstrasse, dieser Königin der deutschen 
Strassen.  
X. Kapitel. 
Kaum minder bedeutend für die Entwicklung der deutschen 
Renaissance als die schwäbischen Lande sind jene mitteldeutschen 
Gebiete, welche sich an den Ufern des Mains erstrecken und von 
dem fränkischen Stamme bewohnt werden. Sie gehören zu den 
ältesten Sitzen deutscher Kultur. Früh schon hat sich in ihnen 
die geistliche Macht neben der fürstlichen bedeutsam entwickelt, 
und dazu gesellt sich bald, Dank dem regen Sinn der lebens- 
frischen Bevölkerung, die selbständige Kraft des Bürgerthums in 
eine1' Anzahl freier Städte. Das mächtigste Erzbisthum Deutsch- 
lands, das Mainzer, gehört diesem Kreise an. Dazu kommen 
die Bisthümer von Würzburg, Eichstädt und Bamberg. Der frän- 
kische Stamm giebt dem Reiche schon früh eine Reihe von Kai- 
sern; hervorragende Fürsten- und Adelsgeschlechter wetteifern 
in dem viel zerschnittenen Territorium gegen einander. Dazu 
kommt noch der Deutschorden, der hier seine Hauptbesitzungeir 
hat. Durch dißSß Zersplitterung geht dem Lande in der Epoche 
der Renaissance jene Ooncentration fürstlicher Macht ab, welche 
in Schwaben durch das würtembergische Herrscherhaus der 
künstlerischen Kultur damals zu so glänzender Blüthe verhalf. 
Dagegen spricht sich die geistliche Macht in prächtigen Monu- 
menten nachdrücklich aus. Vor Allem sind es aber die Städte, 
1) Vgl. darüber meine Geschichte der Plastik. II Aufi. S_ 749_ 
2) Abbild. in Seemanns deutscher Renaissance. III Lief. Tafel 10.
        

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