Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314524
KßP- 
Schwaben. 
Augsburg. 
421 
Decke selbst ist ein prachtvolles Werk in Stucco, in dessen Felder 
nach venetianischer Sitte Gemälde eingelassen sind. Die Rahmen 
derselben reich vergoldet, die geschnitzten Ornamente wohl etwas 
zu gross und derb, das Ganze aber doch von mächtiger Wirkung. 
Der Fussboden hat eine Marmortäfelung. Prachtvcll sind auch 
die vier Fürstenstuben mit trefflich behandeltem Wandgetafel 
und schön gegliederten Decken von grosser Mannigfaltigkeit der 
Motive. Auch die vier kolossalen schwarzglasirten Oefen sind 
sammtlich verschieden und wahre Prachtstücke phantastisch ba- 
rocker Decoration. Einen derselben haben wir in Fig. 23 auf 
S. 117 abgebildet.  
Es war der Glanzpunkt im Schaffen des Meisters. Als der 
Bau vollendet war, legte er den grossen Fclioband an, in wel- 
chem wir seine Lebensbeschreibung finden, die freilich von einer 
spätern Hand auf Grund seiner eigenen Aufzeichnungen einge- 
tragen ist. Er selbst aber beginnt das Buch eigenhändig mit 
folgender Einleitung: Anno 1620 als er durch Gottes Gnad und 
Beistand das neue Rathhaus vollendet und ausgebaut, da Ihabe 
er seiner obliegenden Geschäft halben etwas mehr Weil und Zeit 
bekommen und sich gleich im Namen Gottes fürgenommen in 
diesem Buch etwas Weniges aufzureissen was er etwan von 
Jugend" auf gestudirt und gelernt habe, und was er auch in sei- 
nen Werken für einen Gebrauch gehabt dies und jenes zu bauen, 
obwohl er nunmehr in dem fünfzigsten Jahre des Alters, und sein 
Gesicht der Hand nicht mehr wie früher folge. Er thue es aber 
nicht, um sich einen Ruhm damit zu machen, sondern auf dass 
seine Söhne und Nachkommen Nutzen davon hatten. Aber der 
thatkräftige Mann ist mit diesen Aufzeichnungen nicht eben weit 
gekommen, und sein schriftlicher Nachlass hat keineswegs die 
Bedeutung des Schickhardtschen. Namentlich fehlt demselben 
Jedes künstlerische Interesse; nur einmal hat er eine dorische 
Säule aufgerissen, um ihre Projection zu zeigen. Das Uebrige 
besteht aus den üblichen geometrischen Figuren, Aufgaben der 
Mess- und Visirkunst, praktischen Vorschriften über Materialien, 
Handwerksgeräthe, Recepte für Anfertigung von Leim u. dergl. 
Der Ruf des Meisters hatte sich bald weithin verbreitet. 
Mit dem Rathhausbau waren die Herren so zufrieden gewesen, 
dass sie ihm einen vergoldeten Becher mit dem Wappen der 
Stadt in Schmelzwerk und 600 Goldgulden verehrten. Auch nach 
auswärts wurde seine Hülfe verlangt: das gräflich Schwarzen- 
burg'sche Schloss zu Schönfeld in Franken ward nach seinen 
Planen erbaut; ebenso die Kirche des h. Grabes zu Eichstädt 
und das Schloss für den dortigen Bischof auf dem Willibalds-
        

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