Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314478
416 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
den Zuschauen der Stadt, und in der Freude des Gelingens 
nimmt er seinen vierjährigen Sohn Elias mit hinauf, setzt ihn 
in den Knopf, den er selbst auf die Spitze gesteckt hat und ist 
stolz auf die Unerschrockenheit des Kleinen. Sodann wird das 
alte Bathhaus abgebrochen. Es bestand, wie das noch vorhan- 
dene Modell zeigt, aus einem grossen Eckhaus gegen den Perlach- 
berg und einem Thurm mit schlanker Spitze, an welchen sich 
andrerseits zwei kleinere Giebelhäuser anschlossen. Der Bau 
War zwar von malerischer Gruppirung, aber ohne höheren künst- 
lerischen Werth, wie denn im ganzen Mittelalter während der 
romanischen und gothischen Epoche Augsburg keine hervor- 
ragende Rolle in der Architekturgeschichte gespielt hat. Bes011- 
ders der Abbruch des Thurmes mit seiner durchbrochenem stei- 
nernen Spitze war ein gefäihrliches Unternehmen; aber Alles ging, 
Dank der Umsicht des Meisters, gut von Statten, und am 25. 
August 1615 legte er den Grundstein, wobei wieder der kleine 
Elias mit in die Baugrube muss, was den Rathsherren so wohl 
gefallt, dass sie ihm „'l2 gantze Augsburger Gulden dazu in seine 
Hosen verehren." Holl hatte zu dem Bau drei verschiedene 
Modelle entworfen, welche sich noch auf dem Rathhause befinden. 
Die beiden ersten, von denen wir kleine Skizzenl) beifügen, 
zeigen ihn nicht blos in der Behandlung des Einzelnen, sondern 
auch in der Disposition des Ganzen völlig unter italienischem 
Einfluss. Beide Male besteht der Bau nur aus einer kolossalen, 
durch Säulen getheilten Halle, die nach südlicher Sitte sich rings, 
wie in Fig. 102 oder doch nach drei Seiten, Wiein Fig. 103 mit 
Arkaden öffnet. Die Treppe ist in einem Nßbenbau angebracht. 
Ohne Frage sind beide Entwürfe auf eine reichere Gliederung 
und prachtvoller-e Erscheinung des Aeussern abgesehen, die be- 
sonders in Fig. 102 bei bedeutenden Verhältnissen sich zu impo- 
santer Wirkung steigert. Aber die Rathsherren zogen für die 
Ausführung den dritten Entwurf vor, welcher das Aeussere ziem- 
lich nüchtern behandelt, mit Beseitigung alles Schmucks von 
Pilaster- und Saulenstellungen oder reicheren Gesimsen. Aber 
die innere Disposition entspricht besser den nordischen Bedürf- 
nissen, und auch das Aeussere 'wirkt durch seine gewaltigen 
Massen als kolossaler Hochbau ungemein machtvoll; Compact 
zusainmengedrängt erhebt es sich als Rechteck von 140 Fuss 
Breite bei 105 Fuss Tiefe in drei Geschossen mit vier Fenster- 
reihen. Während die vier Ecken mit einer kräftigen Galerie als 
Archit. 
des Herrn 
der geschickten Hand 
1) Ich verdanke dieselben 
Thierseh.
        

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