Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314466
Kap- 
Sehwab en. 
Augsburg. 
415 
fclgt 1609 das neue Schlachthaus, das M durch seine Fun- 
damentirung, da es ganz im Wasser stelit, die Tüchtigkeit des 
Meisters bezeugt. Wirksam gestaltet sich die stattliche Anlage 
durch zwei Freitreppcn und einen breiten terrassenartigen Vor- 
platz mit Eisengitter und kräftiger Balustrade. Die beiden Por- 
tale sind in streng palladianischer Weise gebildet, die Kapitale 
der Pilaster durch Stierschadel ausgezeichnet. Aus der breiten 
Fagade, die oben mit barocken Eckvoluten abschliesst, erhebt 
sich in der Mitte ein schnialerer Giebel mit kräftig derber Krö- 
nung. Das Ganze ist bei grosser Strenge und Einfachheit macht- 
voll im Sinne der gewaltigen Italiener der Hochrenaissance. 
Die grosse Zahl seiner in dreissig-jahrigem Dienste der Stadt 
ausgeführten Gebäude habe ich hier nicht im Einzelnen zu ver- 
folgen. Nur etwa der Barfüsserbrücke wäre noch zu gedenken, 
weil er dieselbe nach dem Muster der Rialtobrücke, oder wie er 
selbst sagt "auf wälsche Manier" mit Kramladen auf beiden 
Seiten und in der Mitte mit einem „durchsehenden Gewölblein" 
errichtet hat. Bei seinen Privatgcbauden ist es bezeichnend für 
die italienische Richtungy dass wiederholt marmorne Fussböden, 
Säle mit „weisser Arbeit" (Stuckaturen), Gange mit "zierlichem 
Modelwerk", Kamine "auf wälsehe Manier" erwähnt werden. "In 
Summa" sagt er selbst um 1616 „es ist schier unglaublich was 
ich diese vierzehn Jahr hero in meinem Stadtwerkmeisterdienst 
für grosse Mühe und Arbeit g-ehabt." Die gewaltige Energie und 
der ausdauernde Fleiss des trefflichen Meisters gaben der Stadt 
in kurzer Zeit das Gepräge, Welches sie im Wesentlichen noch 
jetzt trägt. Wenn auch in den Formen herb und selbst nüchtern, 
wie die Zeit es mit sich brachte, sind seine Bauten von unver- 
kennbarer Grösse des Sinnes und von klarer, mehr auf das 
Machtvolle als auf das Amnuthige gehender Conception. 
Den Höhepunkt seines Wirkens erreichte er aber beim Bau 
des neuen Rathhauses, einem der gewaltigsten Werke der Zeit. 
Er selbst war es, der die Rathsherreil dazu antrieb, an Stelle 
des baufälligen alten Rathhauses vom Jahre 1385 "ein schönes, 
neues, wohlproportionirtes" erbauen zu lassen. "Er hätte eine 
herzliche Lust dazu, und es-werde die Herren nicht gereuen, 
auch gemeiner Stadt wohl anstehen." Die Bedenken wegen des 
Schlagwerks der Uhr weiss er dadurch zu beseitigen, dass er 
verschlägt, den benachbarten Perlachthurm um ein Stockwerk zu 
erhöhen und in dasselbe die Glocken zu versetzen. Mit eben 
so grcsser Kühnheit als Umsicht geht er 1614 ans Werk. Das 
gewagte Unternehmen, das er bis in's Einzelne fesselnd be- 
schrieben hat, wird glücklich zu Ende geführt unter dem staunen-
        

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