Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310583
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Die 
Rcn 
Geistes. 
deutschen 
des 
aissancc 
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Schon in der Traoht kommt nach Form und Farbe eine bunte 
Phantastik zu Tage, deren ausschweifende Neuerungen haupt- 
Sächlioh von den zügellosen Landskneehten ausgingell- Welcher 
Art diese wilden Gesellen waren, wie sie in Deutschland der 
ganzen Zeit ihren besonderen Stempel aufdrücken, ist aus un- 
zähligen Werken der zeiehnenden Künste, sowie aus der volks- 
thümliohen Literatur genugsam zu erkennen. Nur beispielsweise 
wollen wir an die Sammlung der "50 teutschen Landskneehte", 
von Jobst de Neckerl) nach Rissen Burgkmaifs, Ambergefs und 
Jörg Brew's geschnitten, erinnern, wo schon die Namen Mang- 
Eigennutz, Bastl Machenstreit, Enderle Seltenfried, Florian 
Löschenbrand, Jäckel Frissumsonst, Merten Liederlich, Uli 
Suchentrunk, Steife] Allwegvoll u. s. w. bezeichnend sind. Damit 
stimmen die verwegenen durchwetteiten Gestalten in ihrer heraus- 
fordernden Haltung- und dem über alle Maassen phantastisch über- 
ladenen Kostüm. Letzteres ist, wie auch der beigegebene Text 
hervor-hebt, so "seltsam, dass keiner wie der andere ist", und 
dass die Vorrede über die „närriscl1 zerschnittenen Tücher" sich 
in Spott ergiesst, und dass Jeder sich immerfort anders kleiden 
wolle: 
„Drumb spott sein manche Nation, 
Was er muss für ein Schneider hau." 
Die vielfach geschlitzten, über-massig weiten Jacken mit den bau- 
sehenden Aermeln, die noch aussehweifenderen ebenfalls ge- 
schlitzten Beinkleider, die als Pluderhosen den Zorn der Sitten- 
prediger erregten, dazu die buntesten Farben, bei denen selbst 
(las Mi-parti noch vorkommt, das Alles giebt den damaligen 
Menschen ein unglaublich phantastisches, abenteuerliches Ge- 
präge. Wohl sollte dies durch das Reichsgesetz vom Jahre 1530 
eingeschränkt werden, wohl eiferten die einzelnen Obrigkeiten 
durch Verordnungen und Strafen gegen diesen Luxus, wohl war 
in ernstern Bürgerkreisen eine massvollere Auffassung der Tracht 
anzutreffen; wie weit aber doch immer noch der Spielraum blieb, 
ersieht man aus einer Verordnung des Braunschweiger Rathes 
um 1579, der seinen Bürgern zu einem Paar Hosen zwölf Ellen 
Seide gestattet. Auch Schweinichen weiss von solcher Ueppig- 
keit manches zu berichten, wie er denn?) auf einer Hochzeit vom 
Jahr 1593 die Pracht unaussprechlich findet, "denn der Teufel 
der 11011311111 War gar allda ausgefiogen, dass auch des Bräutigams 
Kutschenknechte zwei Sammtröcke übereinander anhatten, die 
III. 
de Necker. 
herausg. von David 
1590, 
Schweinich en ,
        

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