Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314442
Käp- 
Schwaben. 
Augsburg. 
413 
mit Recht hielt der Vater den noch gar zu unreifen Knaben 
zurück und liess ihn unter seinen Augen die Lehrzeit durch- 
machen. 
Beim Tode des Vaters wollte der Qljahrige Elias wandern, 
lernte aber die schöne Maria Burckartin kennen, die ihm alle 
Wandergedanken benahm. „Ich setzte, erzählt er, all meinen 
Sinn auf diese Jungfrau Maria, wie ich solche zur Ehegattin be- 
kommen möchte." Es gelang ihm; 1595 heirathete er sie, und 
nachdem er im folgenden Jahre sein „Meisterstück fürgerissen", 
durfte er sich als Meister niederlassen. Sie schenkte ihm 8 
Kinder, die aber bis auf eine Tochter in zarter Jugend hinstarben. 
In einer zweiten Ehe erzielte er noch 13 Kinder, mit denen es 
ihm besser ging. Die Holl waren ein starkes Geschlecht; sein 
Vater hatte ebenfalls von zwei Frauen 20 Kinder gehabt. Ein 
reges arbeitsvolles Leben begann nun für den jungen Meister, 
und Manches hatte er schon für reiche Private ausgeführt, als 
im Jahre 1600 Anton Garb, ein angesehener Kaufherr, ihn mit 
nach Venedig nahm, WO er besonders an den grossen Bauten 
Palladids sich bildete. „Besahe mir, erzählt er, dort alles wohl 
und wunderliche Sachen, die mir zu meinen Bauwerken ferner 
erspriesslich waren." Ende Januar 1601 kehrte er heim. Fast 
um dieselbe Zeit war der 15 Jahre altere Schickhardt in Italien 
gewesen. Obwohl es diesem vergönnt war, einen weit grüsseren 
Theil des Landes kennen zu lernen, trug bei ihm doch lange 
nicht so vollständig wie bei seinem Augsburger Collegen die 
italienische Auffassung über die deutsche den Sieg davon. Er 
wurzelte offenbar fester in den früheren Anschauungen und mischte 
deshalb in allen seinen Bauten die heimische Ueberlieferung mit 
den Formen des neuen Stiles. Elias Holl dagegen streifte den 
letzten Rest mittelalterlicher Tradition von sich und baute fortan 
im strengen Stil der italienischen Spatrenaissanceß) Nach seiner 
Heimkehr war essein glüliendes Verlangen seine Vaterstadt nach 
dem Muster der grossen italienischen Städte mit Bauten eines 
streng klassischen Stils zu verherrlichen. 
Zuerst übertrug der Magistrat ihm 1601 den Neubau des 
Giesshauses, weil „die Herren die Gebäu zu Venedig gesehen, 
die ihnen wohl gefallen." Dem jungen Meister gab man also 
besonders wegen seiner Vertrautheit mit dem Renaissancestil 
Italiens den Vorzug. Der Bau wurde ihm um 900 fl. verdungen; 
1) Die Notiz bei Nagler, Holl habe 
reits eine Reihe öffentlicher Bauten für 
einem Irrthmn. 
vor seiner italienischen Reise be- 
die Stadt ausgeführt, beruht auf
        

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