Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314408
Kali 
Schwaben. 
Augsburg. 
409 
Von den gemalten Faeaden, welche ehemals den heiter 
prächtigen Charakter der Strassen bestimmten, sind nur spärliche 
Reste erhalten. Keine deutsche Stadt hat darin Augsburg von 
fern erreicht; es ist das deutsche Verona gewesen. Schon um 
die Mitte des 1.5. Jahrhunderts wird uns hier die Anwendung 
des Fresco bezeugt: 1448 lasst Konrad Vögelin seine Grabkapelle 
bei S. Ulrich „auf nassen 'l'ünich" malen. 1) ln der Epoche der 
Renaissance sind es besonders Hans Burgkmaier und Altdorfer, 
dann Pordenone und Antonio Ponzano, gegen Ende der Periode 
Matthias Kager, zugleich Bürgermeister der Stadt, Rotenhammer, 
Johann Holzer u. A., welche die Kunst der Wandmalerei üben. 
Von Rotenhammer stammen die Reste von Fresken, welche man 
an einem ehemals Hopferischen Haus in der Krotenau sieht. 9) 
Hier sind es namentlich flott gemalte Genien, welche die vier 
Jahreszeiten darstellen. In solchen Wandbildern bildet sich dem 
ganzen Volk ein Spiegelbild seines Lebens, seiner Anschauungen 
und Gedankenreihen dar. Die religiösen Vorstellungen des Mittel- 
alters werden bald überwuchert von den humanistischen Ideen; 
das klassische Alterthum mit seinen Heldenthaten stellt sich ein, 
der Olymp mit seinen Göttern, die antike Fabelwelt und ein 
starker Beisatz von Allegorien, der gegen Ausgang der Epoche 
immer mehr überhand nimmt und mit dem pedantisch Lehr- 
haften der Zeit Hand in Hand geht. Daneben frische Weltlust 
in Genrescenen: Bauerntanze, Markt- und Strassentreiben, Alles 
in heiterer Farbenpracht. Ein treifliches, zum Theil Wohl er- 
haltenes Beispiel gewährt das Weberhaus, ein Eckgebäude der 
Maximiliansstrasse. Vorn sieht man ein gothisches Pförtchen mit 
der Jahrzahl 1517; aber die Fresken der Seitenfacade würde 
man etwa in die Mitte des Jahrhunderts setzen, wenn wir nicht 
wüssten, dass dieselben von Matllzias Hager (erste Decennien des 
17. Jahrhunderts) ausgeführt worden sind. Unter den Fenstern 
zuerst weiss gemalte Putten auf blauem Grunde, mit Hunden 
spielend. Dann zwei gemalte Fenster mit Figuren die heraus- 
schauen; eine ideale Fortsetzung der wirklichen Fensterreihe. 
Auf dem Fensterkreuz wiegt sich ein Papagei. Ganz ohen ist 
eine herrliche korinthische Saulenhalle gemalt, in etfektvoller 
Perspektive und vornehmen Verhältnissen, die Säulen wie aus 
buntem Marmor, Kapitale und Sockel aus weissem Marmor; dabei 
Blick auf einen Platz mit prächtiger Facade. Ein Triumphator 
sammt andern Figuren, leider stark zerstört, nimmt die Haupt- 
flachen ein. Ueber den oberen Fenstern auf rothen Bogenfeldern 
 Herberger 
Stetten, 
VOII 
286.
        

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