Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314397
408 
Buch. 
III. 
Renaissance in 
Deutschland. 
akanthusgesehmückten Consolen vorgekragt. Am grösseren Erker 
zieht sich vor der untern Fensterbank eine eherne Inschrifttafel 
mit elegant aufgerolltem Rahmen hin, zu beiden Seiten von 
Putten gehalten. Während hier das Oartouchenwverla schon auf 
die Vorgeschrittene Renaissance deutet, zeigt alles Uebrige die 
feinen Formen und die zierlich reiche Ornamentik der Frühzeit. 
S0 die schlanken Rahmenpilaster mit ionischen Kapitälen, die 
spielenden Bekrönungen der Fenster, die oberen Abschlüsse mit 
ihren Voluten und Medaillons, vor Allem die Fensterbänke im 
oberen Geschoss mit ihrem herrlichen Laubgewinde und den 
spielenden Putten, an die geistreichsten Erfindungen Holbeins 
erinnernd, dabei Alles meisterlich frei in Sandstein ausgeführt. 
Selten findet man in der deutschen Renaissance eine so durch- 
gebildete Plastik. Am kleineren Erker sieht man vor der untern 
Fensterbank einen schön stilisirten Doppeladler, von Saulchen 
eingefasst mit flatterndem Spruchband, darauf man den Wahl- 
spruch „plus ultra" liest. Am obern Fenster zwei nicht minder 
prachtvoll ausgeführte Adler auf Löwen. Das Hauptportal der 
Faeade ist im Flachbogen der lßlrührenaissanee geschlossen, mit 
Pilastern und Friesen eingefasst, welche mit schönen eingravirten 
Flachornamenten bedeckt sind. Ein kleineres Nebenpförtehen, 
nicht unmittelbar mit dem Hauptportal verbunden, zeigt ebenfalls 
eine hübsche Einfassung. Das Rundfensterehen, welehes dem 
Flur Lieht giebt, ist mit einem herrlich stilisirten Eisengitter ge- 
schlossen. 
Unweit des Maximilians-Museums in derselben Strasse bietet 
ein im Ganzen noch spatgothisches Haus mit prachtvollem gothisch 
componirtem Portal, darüber ein von zwei Löwen gehaltenes 
Wappen, einige Frührenaissance-Theile. Namentlich ist der Haus- 
flur mit einem Kreuzgewölbe auf denselben derb ionischen Säulen 
ausgestattet, welche wir schon im Fuggcrhaus fanden. Alle 
Tliüren dagegen sind gothisch; der Hof mit oberer jetzt glas- 
geschlossener Galerie, beiderseits auf Netzgewölben ruhend, die 
auf Consolen aufsitzen. Vorn rechts eine weitere Vertiefung der 
unteren Halle auf gothischen Rundsäulen. So spielen auch hier 
noch beide Stile in einander.  Dasselbe Verhältniss gewahrt 
man an dem mächtigen alten Welserhaus, das schon durch 
seine gothische Kapelle mit originellem frühem Sterngewölbe 
interessant ist. Der ganze Bau mit seinem hohen Giebel ist 
mittelalterlich, aber ein zierlich decorirter Erker trägt die For- 
men einer spielenden Frührenaissance, das Laubwerk von etwas 
krautartig krauser Bildung. Dabei mehrere lateinische Sinn- 
sprüche. 
        

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