Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314369
haben. Das Innere bewahrt noch einige Spuren von ursprüng- 
licher Pracht. Im vorderen Flur ruhen die Kreuzgewölbe auf 
toskanischen Säulen von rothem Marmor. Besonders glänzend 
muss der erste Hof gewesen sein, dessen Arkaden nach italie- 
nischer Weise auf ähnlichen aber ziemlich derb gebildeten Säulen 
ruhen. In der Tiefe der Hinterhalle erheben sich mächtige 
Marmorsäulen mit getheiltem Schaft, die Kapitale üppig mit 
Laubwerk und Widder-köpfen geschmückt. Um den ganzen Hof 
ist die Laibung der Bögen mit herrlichen grauen Arabesken auf 
schwarzlich blauem Grunde bedeckt. Ueber den Bögen sieht 
man gemalte Medaillons, die eine Füllung von rothen Marmor- 
platten haben. Darüber zieht sich ein arg zerstörter Fries hin 
mit grau in grau gemalten historischen Scenen, dabei unter An- 
derm die Inschriften: „der neapolitanisch Krieg. Heyrath König 
Philipps. Wiederpringung Oestreiehs. Die Erledigung der Tochter. 
Bereinigung zu Engelland". Wahrscheinlich Reste jener Wand- 
gemälde, deren Gegenstände durch den gelehrten Peutingel" be- 
stimmt worden waren, und die Jacob Fugger 1516 ausführen 
liess. Die erhaltenen Figuren sind voll Leben und Ausdruck. 
Sodann ein Fries von Putten mit Vasen und Ranken, grau auf 
blauem Grunde, leider ebenfalls stark zerstört. Ganz oben ist 
eine Blendgalerie von wunderlichen toskanischen Säulchen und 
Pilastern. Ein zweiter Hof zeigt eine Galerie auf toskanischen 
Säulen, die auf der einen Seite einen gewölbten Oberbau tragen. 
Hier ist keine Spur von Bemalung, alles weiss getüncht. Der 
südliche Theil des ursprünglich aus mehreren Häusern zusammen- 
gewachsenen Palastes hat einen besonderen Eingang, der auf 
einen grossen Flur mündet, dessen Kreuzgewölbe auf sehr derben 
ionischen Säulen ruhen. Daran stösst ein dritter grosser Hof 
mit Arkaden auf toskanischen Säulen und einem gewölbten Ober- 
geschoss. Hier ist Alles öde, aber ursprünglich war ohne Zwei- 
fel auch dieser Theil farbig geschmückt. Immerhin zeugt das 
Ganze von einer grossartigen Anlage und ehemaliger fürstlicher 
Pracht. Ein vierter Hof, auf zwei Seiten mit Galerien umzogen, 
mündet nach der Rückseite auf einen Flur, der auf den Zeug- 
hausplatz hinausführt. Hier befinden sich die einzigen Gemächer, 
welche noch die ursprüngliche künstlerische Ausstattung zeigen. 
Es sind zwei jetzt dem Kunstverein überlassene Gemächer, beide 
23 Fuss tief und 14 Fuss hoch, das kleinere 22 Fuss lang, also 
ungefähr quadratisch. Das grössere ein Saal von 49 Fuss Länge. 
1) Genauere Notizen über diese und andere Theile 
Renaiss. verdanke ich Herrn Archit. Fr. Thierbach. 
der 
Augsburger 

        

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