Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314350
404 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
man auch hier durch den Mangel eines geeigneten Steines dazu 
veranlasst, die Facaden zu verputzen und ihre Ausschmückung 
der Malerei zu übertragen. Aber während man in Ulm sich 
meistens mit dem bescheidenen Grau in Grau oder mit Sgraffiten 
begnügte, übertrug das üppige Augsburg die volle Farbenpracht 
des Südens, namentlich Venedigs und Verona's, auf seine Faca- 
den. Als Michel de Montaigne 1580 die Stadt besuchte, waren 
die imposanten Bauten Elias Holls noch nicht vorhanden; 
dennoch erklärt er Augsburg für die schönste, sowie Strassburg 
für die festeste Stadt Deutschlands. Die breite Anlage und die 
Sauberkeit der Strassen, die vielen prächtigen Springbrunnen 
fallen ihm auf, obwohl die vier jetzt vorhandenen Brunnen da- 
mals noch nicht standen. Die Häuser seien weit grösser, schöner 
und höher als in irgend einer Stadt Frankreichs. Der Palast 
der Fugger sei ganz mit Kupfer gedeckt und habe zwei Säle, 
der eine gross, hoch, mit Marmorfussboden  wahrscheinlich 
derselbe, auf welchem Hans von Schweinichen jenen Unfall er- 
lebte  der andere niedriger, reich an antiken und modernen 
Medaillen, mit einem Kabinet am Ende. Es seien die reichsten 
Gemächer, die er je gesehen. Auch den Garten mit seinen 
Sommerpavillons und Vogelhäusern, seinen Springbrunnen und 
Vexirwassern rühmt er höchlich. Vor Allem fallen ihm die ge- 
malten Facaden auf ; aber grade diese wichtigen Theile der 
künstlerischen Ausstattung sind bis auf wenige Spuren verschwun- 
den. Dagegen zeigt allerdings die Maximiliansstrasse schon solche 
Grossartigkeit der Anlage, dass sie noch jetzt ohne Frage zu den 
schönsten Strassen Deutschlands gehört. Ihre ausserordentliche 
Breite würde monoton wirken, wenn sie in grader Linie gezogen 
wäre, und wenn nicht in glücklichen Abständen jene herrlichen 
Brunnen sich erhöhen, deren Gleichen man in keiner deutschen 
Stadt Wieder-findet. Dazu kommt der mächtige Bau des Rath- 
hauses, der trotz der Einfachheit seiner äussern Architektur 
durch die Massen allein imponirt und für den Platz wohl be- 
rechnet ist.  
Aus der Frühepoche der Renaissance ist wenig 1neh1' vor- 
handen. Der Palast der Fugger ist ein Gebäude von kolos- 
saler Ausdehnung, aber in der Facade ohne alle architektonische 
Gliederung, vielmehr auf reichen Gemäldeschmuck berechnet. Die 
neuerdings an Stelle der untergegangenen Burgkmaierschen Fres- 
ken ausgeführten Bilder zeugen von einem löblichen Streben und 
enthalten im Einzelnen viel Hübsches, liefern aber den schlagen- 
den Beweis, dass wir für künstlerische Anordnung und Stilisirung 
solcher monumentalen Werke noch viel von jener Zeit zu lernen
        

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