Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314322
Kall 
Schwaben. 
Ulm. 
401 
Pferd das auszuleihen gehört? Links im Hof ein Brunnen mit 
der Jahrzahl 1627. Im oberen Geschoss des Vorderhauses be- 
wahrt der grosse Flur eine hübsche getäfelte Decke mit feiner 
Gliederung, sodann einen prächtigen Hangeleuchter mit einem 
Hischgeweih und sehr schönem weiblichen Brustbild, das eines 
Syrlin würdig ist. 
Zum Schönsten und Reichsten, was von innerer Decoration 
aus dieser Epoche irgendwo vorhanden ist, gehört jedoch die Aus- 
stattung des Ehinger Hofes, eines ansehnlichen Patrizierhauses 
in der Taubengasse, jetzt als Schulhaus dienend. Das Aeussere 
bietet nicht viel Besonderes; der Hof zeigt auf drei Seiten Ar- 
kaden auf derben toskanischen Säulen, der Hausflur ist wie so 
oft in Ulm gewölbt mit hübsch decorirten Gurten. Das Erd- 
geschoss hat gewölbte Hallen mit Stuckaturen. Die ganze äussere 
Architektur ist mit Einschluss des Hauptportales ganz schlicht: 
aber Spuren von grau in grau gemalten Decorationen lassen sich 
auch hier erkennen. Ein kleines Nebenpförtchen zeigt den Spitz- 
bogen, und auch die steinerne Wendeltreppe mit der Jahrzahl 
1601 hat noch gothische Construktion; aber das Treppenhaus ist 
mit einer fiachcn gegliederten Renaissancedecke geschlossen. Die 
breiten meist dreitheiligen Fenster haben noch die alten Butzen- 
scheiben; selbst das durchbrochene Holzgitter der Bodentreppe, 
wo man 1603 liest, besteht aus meisterlicher Schnitzarbeit. Den 
höchsten Werth besitzen aber die prachtvollen Holztäfelungen 
der Decken und die nicht minder vorzüglich gearbeitetenThüren.1) 
Zunächst dcr herrliche grosse Flur im obern Geschoss mit seiner 
schön gegliederten Balkendecke, geschmückt mit Rosettenköpfen 
und andern Ornamenten. Noch glanzvoller aber die Decken des 
oberen Saales und eines Nebenzimmers. Trcffliche Eintheilung, 
reiche und kraftvolle Gliederung, schönes Sehnitzwerk von Frie- 
sen mit Akanthusranken, Löwenköpfen u. s. w. Alles dies ist 
barbariseher Weise mit Tünche dick überstrichen, obwohl der 
Landesconservator der Alterthümer hier seinen Sitz hat. Dazu 
kommen zwei Thüren, mit korinthischen Säulen eingefasst und 
mit eleganten Aufsätzen bekrönt, durch Bemalung und feine Ver- 
goldung noch gehoben. Noch ein anderes Zimmer hat eine nicht 
minder köstliche Decke und in den breiten Flachbogennischen 
der Fenster Engelköpfe und elegantes Ornament in Stucco. Auch 
hier eine schöne Thür, lebenfalls mit Malerei und Vergoldung 
1) Eine Publication der ersteren bereitet Egle in den Suppl. der sehwäb. 
Denkm. (Stuttgart, Ebner 8a Seubert) vor. Aufnahmen der letzteren in den 
B1. des Architektenvereins des Stuttg. Polytechnicums (Stuttg, K. Wittwer). 
Kugler, Gesch. d. Baukunst. V. 26
        

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