Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314288
Kap 
Schwaben. 
Ulm. 
397 
lichen Brunnens, auf welcher die steife Figur St. Georgs mit 
dem Drachen. Das Kapital zeigt eine derbe aber gut behandelte 
Oomposita, die wasserspendenden Köpfe sind hier von Stein und 
bei weitem nicht so schön wie jene bronzenen.  
Welch schwungvollen Betrieb damals in Ulm die Decoration 
jeder Art behauptet, sieht man besonders am Münster, WO das 
südliche Portal eine der prachtvollsten Holzarbeiten der gesamm- 
ten Epoche, inschriftlich vom Jahre 1618, zeigt. Die Ornamentik 
ist hier nicht blos von herrlicher Erfindung, sondern auch meister- 
haft in der Ausführung. Auch die Thürflügel des westlichen 
Hauptportales sind reich geschnitzt. Wie lange aber dort die 
Kunstgewerbe an den Traditionen der besten Zeit festhielten, 
beweisen die herrlichen schmiedeeisernen Gitter, welche im In- 
nern den Chor abschliessen und das Sakramentshäuschen um- 
geben, erstere 1713, letztere gar 1737 durch Johann Virus Bzmz 
gefertigt. 
Was endlich den Privatbau Ulms betrifft, so zeigt er ge- 
wisse gemeinsame Grundzüge, sowohl in der Anlage als in der 
Ausstattung der Wohnhäuser. Im Grundplan sind die schloss- 
artig isolirten, auf den Ecken meist mit Erkern, auch wohl mit 
Thürmen ausgestatteten Häuser der Patrizier von den Reih in 
Reih die Strassenzeilen begleitenden Wohngebäuden der Bürger 
zu unterscheiden. Diese letzteren sind durchgängig mit Rücksicht 
auf einen lebhaften und grossen Handelsverkehr angeordnet. Sie 
haben grosse Flure, ursprünglich noch wie im Mittelalter meist 
gewölbt, im Ausgang unserer Epoche aber auch mit flacher 
Decke, die oft elegante Stuckdecoration zeigt. Die schmale An- 
lage des mit dem hohen Giebel der Strasse zugekehrten mittel- 
alterlichen Bürgerhauses ist festgehalten; mehrfach aber hat man 
dadurch eine bedeutendere Breite gewonnen, dass man zwei oder 
gar drei Hauser neben einander zusammenzog und die zwei oder 
drei colossalen Giebel bisweilen durch eine dazwischen empor- 
geführte, mit Arkaden deeorirte Stirnwand zu verbinden suchte. 
Ein mächtiges Haus dieser Art sieht man mit drei Giebeln in 
der Frauenstrasse; minder ausgebildet und nur mit zwei Giebeln 
ist z. B. der jetzige Gasthof zum Hirschen und gleich daneben 
die Brauerei zum Straussen. Aus dem breiten Flur führt zumeist 
die aus derbem Eichenholz gearbeitete Treppe in das obere Ge- 
schoss. An den Flur schliesst sich ein Hof, bisweilen von Neben- 
gebäuden eingefasst, undauf diesen folgt wohl noch ein Garten, 
Die künstlerische Ausstattung dieser Gebäude ist überaus schlicht 
auf feinere Gliederung oder plastische Decoration wird Völlioi 
verzichtet, und die schmucklosen Faoaden entbehren Sogar zum.
        

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