Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1314252
394 
III. 
Buch 
Renaissance in Deutschland. 
derte er das Aeussere in eonventioneller Weise durch toskanische 
Pilaster, welche mit einem Triglyphenfries schliessen. Ueber den 
Grundlagen des alten am Ost-Ende des nördlichen Seitenschilfes 
errichteten Thurmes führte er einen neuen Glockenthurm auf, den 
er ebenfalls mit toskanischen Pilastern gliederte und in einen 
achteckigen Aufsatz mit geschweiftcm Kuppeldach, einer so- 
genannten wälschen Haube, enden liess. An den Portalen der 
Kirche bemerkt 111311 110011 die gothische Profilirung und die 
durchschneidenden Rundstäbe. Die Thürilügel des Hauptportales 
sind reich, aber in barocken Formen und etwas plump geschnitzt. 
Freier ist die Thür des nördlichen Seitenportals, welche gut 
gearbeitete Friese und Masken zeigt. Auch die Eisenarbeit der 
Thüren ist gediegen ausgeführt.  
Im Innern bewahrt die Kirche eine überaus reiche Ausstat- 
tung aus derselben Epoche. Zunächst sind die prachtvollen 
Ohorstühle (Fig. 99) elegant geschnitzt und noch massvoll in 
der Formgebung. Die hohen Rücklehnen sind durch zierliche 
toskanische Säulchen getheilt, die einzelnen Felder abwechselnd 
mit geflügelten Engelköpfen oder mit barocken Laubgewinden 
decorirt. Besonders graziös sind die feinen barock geschweiften 
Aufsätze. Ueppiger und überladener ist der Hochaltar, mit 
stärkerer Anwendung phantastisch barocker Formen; ebenso die 
Kanzel, mit hohem thurmartig aufgebautem reich decorirtem 
Schalldeckel. Endlich sind die Emporen, welche auf weit ge- 
stellten dorischen Holzsäulen das Schiff der Kirche umziehen, 
an ihren Brüstungen mit treiiflichen Reliefs, Masken und Laub- 
Werk geschmückt, das Ganze auf WBiSSGDI Grunde durch spar- 
same Anwendung von Gold und Farbe fein decorirt. 
Neben der Kirche nördlich steht ein Brunnen, ähnlich dem 
im Neuen Bau, aber in den Formen geringer. Oben auf der 
Säule die noch gothische Figur des h. Petrus, neu bemalt und 
vergoldet. So gering die Steinhauerarbeit an der Säule ist, so 
ausgezeichnet sind unten am Fuss die vier in Bronze ausgeführ- 
ten, als schnurrbärtige Männerköpfe behandelten Masken sammt 
den ebenfalls ehernen Ausgussröhren. Mit ihren Voluten, die in 
phantastischer Weise mit den Halskrausen und der übrigen Or- 
namentik des Kopfputzes verwebt sind, wahre Musterbeispiele 
originell stilisirter Barockdecoration. Aehnliche Bronzewerke 
sieht man an dem Brunnen beim Münster. Hier ist die Säule in 
eigenthümlicher Weise achteckig und zwar spiralförmigkannelirt 
und hat ein frei korinthisirendes Kapital, das einen Sitzendell 
Löwen mit dem Wappenschilde der Stadt trägt. Aehnlich be- 
handelt ist die Säule des an der Ostseite des Münsters befind-
        

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